Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie

ihn Euer Majestät und erlauben Euer Majestät, dass, wenn etwas darin vorkommt, was nicht richtig ist, ich mich dagegen ver- theidige.« Der Kaiser sagte mir: »Ja, ja, noch heute« und berief die Fürsten Schwarzenberg und Metternich und FZM. Duka zu einer Sitzung, in welcher mein Operationsplan besprochen wurde. Der FZM. Duka, welcher meinen Gründen für das Ueber- schreiten des Rheines und den sofortigen Marsch gegen Paris nichts mehr zu entgegnen wusste, wurde so aufgebracht, dass er mit einem: »in drei Teufels Kamen, wollen Sie gescheidter sein als der Prinz Eugen?« mit der Faust auf den Tisch schlug, dass die Tinte hoch aufspritzte. Meine Antwort war: »Der Prinz Eugen wäre schon längst über den Rhein.« Der Kaiser aber stand auf und sagte: »Nein, nein, ich bin mit dem Radetzkv ganz einverstanden.« Darauf empfahl sich Fürst Schwarzenberg und sagte, er reise noch heute Nacht ab, um die schon vorbereiteten und in Echellons aufgestellten Truppen in Marsch zu setzen. Fürst Schwarzenberg begab sich zum Kaiser Alexander und zum König vonPreussen, und wir gingen noch in derselben Nacht nach Lörrach, um am 30. December den Uebergang bei Basel zu bewerkstelligen. Bubna, der die Avantgarde führte, sollte ober­halb Basel eine Ponton-Brücke zum Uebergange erhalten und letztere wurde bereits dort aufgestellt. Die Strömung des Rheines war jedoch so gross, dass wir keine Brücke zu Stande brachten, da in den Steinen alle Anker abrissen. Bei dieser Gelegenheit wäre ich und der preussische General Hake bald gefangen worden. Wir bestiegen die ersten Pontons, als sich plötzlich der Ponton losriss und wir den Wellen preisgegeben wurden. Nur durch das schnelle Beispringen der Pionniere wurden wir wieder aufgehalten, sonst wären wir direct nach Hüningen hineingetrieben worden. Als ich im Feldzug 1813 zu Basel ankam, war meine Gesundheit so zerrüttet, dass ich kaum mehr die anstrengenden Arbeiten versehen konnte. Ich kann sagen, dass ich mich vom December bis März kaum einmal ausgezogen habe. Mehrere Aerzte, darunter Doctor Stift, erklärten, ich müsse Zurückbleiben, aber unser dirigirender Stabsarzt, der die Unmöglichkeit hievon einsah,

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