Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)
Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie
rieth mir, täglich zu Mittag ein Glas gekochten Bordeaux zu trinken. Dies erfuhr Kaiser Alexander und wo ich auch sein mochte, im Lager oder vor dem Feind, täglich kam ein Kosak, der mich schon sehr gut kannte und mich, weiss Gott wie, immer fand und brachte mir meinen Bordeaux. Meine Nerven waren so angegriffen, dass ich im Monate August 1815 in St. Cloud, wo ich im Palais des Ministers des Auswärtigen wohnte, bei der stärksten Hitze einheizen musste, um mich zu erwärmen. Als man während des Congresses zu Wien die Nachricht von der Flucht Napoleon’s von der Insel Elba erfuhr, Hess mich Fürst Schwarzenberg holen und theilte mir diese mit. Er befand sich eben in einer grossen Soirée. Es war eine schreckliche Confusion, und als ich ihn fragte, was geschehen werde, sagte er mir, er könne mir erst am folgenden Tage die Antwort geben, da noch gar nichts bestimmt sei. Ich versicherte ihn, dass die Armee noch so beisammen sei, dass wir in acht bis vierzehn Tagen marschiren könnten. Den Tag darauf gingen wir zusammen zum Kaiser und der letztere übergab mir neuerdings die Stelle eines Chefs des Generalstabes, obwohl ich vorstellte, dass meine Gesundheit mir die Führung dieses Amtes nicht erlaube. Ich musste gleich nach Mailand abreisen, von wo ich mich in die Schweiz begab, um mich in Bern mit dem dort comman- direnden General ins Einvernehmen zu setzen. Hierauf eilte ich nach Deutschland zur Armee. Ich brauchte nach diesen Feldzügen drei Jahre, um mich gänzlich zu ei’holen. Ergänzungen aus den Vormerkungen des FZM. Grafen Thun. (1813.) Im Hauptquartier der Verbündeten bestand keine volle Uebereinstimmung. Noch weniger existirte eine solche zwischen mir und dem Hof lager, wo FZM. Duka wieder alle offensiven Operationen zu prüfen hatte und in der festen Vermuthung stand, dass Napoleon mit einbrechendem Winter, durch den Mangel an Lebensmitteln