Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. 73 Fragmentarische Ergänzungen zur Autobiographie. Mitte Juni 1813.1) Der Ursprung des Trachenberger Ope­rationsplanes war eine Besprechung, welche zwischen mir und General Toll in Jicin stattfand. Als General Toll vom Kaiser Alexander nach Jiöin gesendet wurde, bekam ich den Auftrag, ihm die Honneurs zu machen und mit ihm Alles zu besprechen. Ich stellte bei dieser Gelegenheit den Grundsatz aufj die österrei­chische Armee sei der Pivot, während die Alliirten den schwen­kenden Flügel bilden müssten. Die Verantwortung fiel doppelt schwer, da man bedenken musste, dass die Armee noch nicht or- ganisirt war und man daher jedes offensive Vorgehen derselben zu vermeiden hatte. Auf diese Besprechung mit Toll mich basirend, arbeitete ich den Entwurf zum Trachenberger Operationsplan aus, der vom Ge- neralstabs-Obersten Grafen Latour nach Trachenberg gebracht wurde. Es ist meine Ueberzeugung, dass das Säumen Oesterreichs, dem Bündnisse mit den Alliirten im Jahre 1813 beizutreten, seinen Grund in dem Mangel an Vertrauen in die eigenen Mittel hatte. Geld war keines vorhanden und Niemand glaubte an die Möglich keit, die Armee in kurzer Zeit auf den nothwendigen Stand der Mobilität zu bringen. Die Armee war vor dem Kriege in einem zu vernachlässigten Zustande; die Compagnien hatten einen Stand von nur sechzig Mann.2) Die Armee war damals eine reine militärische Unschuld und die Soldaten nur verkleidete Bauern, aus welchem Umstande sich auch theilweise die grosse Zahl der vorhandenen Kranken3) erklären lässt. Als bei der Aufstellung der Armee im Thale zwischen Töplitz und Arbesau am 12. September 1813 die Artillerie auffuhr, war die Bespannungs- Mannschaft in leinenen ') Graf Thun, Erzählungen und Dictate des Feldmarschalls vom 16. Oc­tober 1857. 2) Die Compagnien der deutschen Regimenter zählten fünfzig Gemeine, jene der galizianischen und ungarischen, sowie alle Grenadier-Bataillone beiweitem mehr. Alle galizianischen und ein grosser Theil der ungarischen Regimenter be­fanden sich bei den beiden mobilisirten Corps. 3) Die vielen Kranken kamen übrigens nur bei den deutschen Regimentern vor. Die galizianischen, die den Feldzug 1812 mitgemacht hatten, und die ungarischen waren gesund.

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