Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)
Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie
Erinnerungen aus dem Leben des EM. Grafen Radetzky. 63 Hier blieb ich und erhielt bald zwei besondere Aufträge: a) Das Fuhrwesen und die Thierarznei-Schule zu verbessern; b) eine Equitation für die Cavallerie in Wiener-Neustadt zu etabliren. Beim Fuhrwesen musste man sich auf die Aufbringung der für den Fall des Krieges erforderlichen Ausrüstung beschränken, da die Finanznoth eine gründliche Verbesserung unmöglich machte. Das Thierarznei-Institut prosperirte unter der Leitung der Professoren Pessina und Fechner. Nach dem Kriege von 1809 und dem Tode Pessina’s kam das Institut unter die Universität und wurde, sowie es ausser die militärische Obhut kam, wieder schlecht und unpraktisch. Das Equitations-lnstitut lieferte, obgleich es an allen Mitteln fehlte, gute Schüler für die Armee. Der Krieg hat es unterbrochen. Nach hergestelltem Frieden kam es unter die Leitung des Remon- tirungs-Departements und wurde von Wiener-Neustadt nach Salzburg verlegt. Ziemlich vernachlässigt, ging es bei der Revolution von selbst ein. Gegenwärtig befindet es sich in Wien, ist in grösserem Massstabe organisirt und steht unter der Leitung des FML. Herzogs von Württemberg.1) In der Zeit, in welcher der Erzherzog Carl das Heerwesen leitete, trat für die Armee eine neue Aera ein. Alles, was er that, beabsichtigte, den Geist der Armee zu heben, was auch geschah. Man fing damit an, die Administration von dem rein Militärischen zu trennen. Hofrath Fassbinder,2) ein thätiger, einsichtsvoller Mann, stand an der Spitze der Administration, und hätte der Erzherzog von der militärischen Seite eine gleiche Unterstützung erfahren, so ist es ausser allem Zweifel, es würde der Armee der Glanzpunkt nicht vorenthalten worden sein. Allein der Erzherzog hatte keinen geistig bedeutenden Soldaten an seiner Seite und so blieb das Militärische hinter dem Administrativen zurück. Das Ziel 1) Das Equitations-lnstitut in Wiener-Neustadt wurde bei jedem Kriege aufgelöst und nach jenem von 1813 nicht mehr errichtet. Die neue Errichtung erfolgte erst in der Friedens-Epoche und zwar in Salzburg, wo es auch bis 1849 blieb. 2) Von Hofratli Fassbinder sollte schon nach Schluss der Campagne 1800 gesprochen werden, da er, als dem Kaiser missliebig, im Jahre 1805 entfernt wurde. Im Jahre 1806 wurde das Kriegs-Ministerium wieder in den Hof-Kriegsrath, jedoch unter der Leitung des Generalissimus umgewandelt.