Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie

64 Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. wurde also verfehlt, auch das Administrative gerieth in Verfall und der alte Schlendrian der Bureaukratie wucherte fort unter der papierenen, bureaukratischen, hofkriegsräthlichen Pedanterie. Ein Einziges blieb von dieser Zeit: Es ist die Landwehr, die damals ins Leben trat und die gleichzeitig eingeführte Capitulation, kraft welcher die Dienstzeit des Mannes, welche bisher eine lebensläng­liche gewesen, auf vierzehn Jahre und eine zehnjährige Landwehr- pflicht festgesetzt wurde. Da die Grundzüge dieser neuen Organisa­tion noch im Entstehen durch den Krieg von 1809 erschüttert wurden, so konnte dieselbe auf die Chargen-Ersetzung, vorzüglich der Officiere, keinen Einfluss äussern. Letztere wurden aus dem Pensions-Stande, aus dem Stande der Beamten, den sonst sich anmeldenden Güterhesitzern und den Privatleuten gewonnen. Obwohl sie der gehegten Absicht nicht ganz entsprechen konnten, gab diese Massregel dennoch der ganzen Nation einen Auf­schwung und vermehrte die Zahl der Streiter wenigstens dem Namen nach. Die Armee gewann dadurch während des Feldzuges keinen Vortheil, denn, wenige Bataillone ausgenommen, waren die übrigen schlecht. Nur der Staat hatte den Nachtheil, dass die Officiere alle, als supernumerär eingetheilt, meist im späteren Frieden dem Staatsschätze durch die Pensionirung zur Last fielen. Der Feldzug 1809 war schon im Entstehen verunglückt. Viele Menschen beschuldigen deswegen den FML. Graf Grünne, dies kann aber nur Unwissenheit thun. Ich bin hievon genau infor- mirt und erkläre mit Bestimmtheit den Grafen Grünne als unschul­dig. Die Sache verhält sich in folgender Weise: Graf Grünne war General-Adjutant und unter ihm stand Oberst Wimpffen für die Adjutantur; General Mayer von Heldensfeld war Chef des General­stabes und hatte die Oberste Gvosdanovich und Czerwenka, dann den General Prohaska beigegeben. Grünne bat, dass ein Operations­plan dem Erzherzoge vorgelegt werde. Hierauf rieth Mayer, dass, wenn Davoust sich mit fünfzigtausend Mann in Franken concen- triren, daher die Avantgarde der. französischen Armee bilden werde, man die österreichische Armee nicht in Böhmen, sondern im Gegen- theil in Oesterreich am Inn concentriren müsse. Grünne’s Wunsch war ein detaillirter Plan der Operationen für den Erzherzog, und zwar umsomehr, als man die Dislocation Davoust’s in Franken

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