Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)
Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853
100 Gerba. Auch die Aufgabe der Montenegriner, einem solchen con- centrischen Angriffe zu begegnen, war nicht leicht, ihre geringe numerische Stärke und der Umstand, dass nicht blos ihre Zufluchtsstätten, sondern auch ihre Kampfplätze im Hochgebirge liegen, zwang sie defensiv zu bleiben und das Vordringen der Türken so viel als möglich zu erschweren. Es stand fest, dass zwar auf die zugänglichste Position gegen Albanien hin, wo sich die Berge sanft zur Ebene herabsenken, das Hauptgewicht gelegt werden musste, dass aber auch die Pässe des Landes und die Stellungen bei Ostrog, Grahovo und zwischen Antivari und dem See von Scutari nicht vernachlässigt werden durften, wenngleich zu deren Vertheidigung eine verhältnissmässig geringe Zahl genügte. Seit der Räumung und der Zerstörung der Feste Zabljak beschränkten sich daher die Montenegriner zunächst auf die Vertheidigung der bedrohten Nahien an der Grenze von Türkisch- Albanien und der Hercegovina. Zu diesem Zwecke versammelten sich zur Festhaltung des Abschnittes westlich des Scutari-See’s in der südlichsten Nahia, Crmnicka bei Gluhido, unter dem Senator Filipov, und bei Virpazar, an der Mündung der Orohovka in den See von Scutari, unter Vuko Petrovic, einem Oheim des Fürsten, etwa 1500Mann; in Duga hatte sich der Pope Priesta mit einer Schaar festgesetzt. In Komani und Zagarac standen die Einwohner unter Führung ihrer Serdare zur Vertheidigung des Weges von der mittleren Zeta nach Cetinje, in Cevo endlich hielt Mirko Petrovic, Bruder des Fürsten, mit beiläufig 1000 Mann die Zugänge gegen Grahovo und Niksic besetzt. Fürst Danilo war anfänglich kaum im Stande, der Streitmacht Omer Pascha’s auch nur 3000—4000 Mann entgegenzustellen. Alle Anstrengungen geschahen, um diese Vcrtheidigungskräfte zu verstärken. Fürst Danilo disponirte eine mobile Colonne, mit der Bestimmung, durch wiederholte nächtliche Alarmirungen der türkischen Aufstellungen vor Niksic und Grahovo die Truppen zu ermüden, er sandte einen muthigen und fähigen Mann, den Serdar Novica, in die Districte von Kuöi und Piperi ab, um diese zu einem Guerilla-Krieg zu bewegen und befahl endlich die Vereinigung aller Bewaffneten der Katunska und Ljesanska Nahia, um in Cevo Stellung zu nehmen.1) _1) K. A. 1853 Fase. 2, Nr. 98, 207.