Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853

101 ') K. A. 1853, Fase. 1, Nr. 52. 2) K. A. 1853, Fase. 2, Nr. 15. Operationen. Am 1. Januar 1853 war der Serasker Omer Pascha in Scu­tari eingetroffen, um den Angriff auf Montenegro zu leiten, welcher auf Befehl der Pforte beschleunigt werden sollte, um die Dazwischen- kunft diplomatischer Verhandlungen zu vermeiden. Nichtsdesto­weniger beabsichtigte der türkische Feldherr, nicht anders als langsam, vorsichtig und mit nachhaltiger Sicherung seiner Ver­bindung mit Türkisch-Albanien vorzugehen, wobei er die Streit­kräfte seiner Gegner an die entgegengesetzten Grenzen ihres Gebietes abzulenken, zu zersplittern und zu ermüden hoffte und vor Allem die Käuflichkeit und Bestechlichkeit der vom Mittelpunkte entlegeneren Nahien der Crnagora auf das Reichlichste ausbeuten wollte, um sie dem Einflüsse des Fürsten und des Senats von Cetinje zu entziehen.1) Nicht also allein mit den Waffen, sondern nicht weniger mit den bei den Orientalen zumeist wirksamen Mitteln der Bestechung trat die Türkei dem kleinen Gebirgsvolke entgegen und die Aussichten waren allerdings nicht gering, das­selbe zur Unterwerfung zwingen zu können. Zu diesem Zwecke kaufte Omer Pascha vorerst sechzig Paar silberbeschlagene Pistolen, wohl wissend, dass einem Geschenke solcher Art gar Mancher seinem Knjaz abgeneigte Crnogorac nicht so leicht zu widerstehen vermöge. Am 9. Januar erliess der Muschir aus dem Lager von Mar­tiniéi eine Proclamation2) folgenden Inhaltes: »Montenegriner! Es gibt unter Euch einige böse Menschen, welche Euch verführt haben und Ihr höret auf ihre Worte. Ihr habt auch die Andern verleitet, den rechten Weg zu verlassen und die Waffen gegen Eueren Souverän zu erheben und Ihr habt in dieser Weise zu Euerer Strafe die kaiserliche Armee herbeigezogen. Ihr sehet nun diese kaiserliche Macht und die Klugen unter Euch werden begreifen, dass Ihr Euch dieser Armee nicht widersetzen könnet. Nachdem Ihr zu unserem Gebiete gehöret, wollen wir nicht einen Blutstropfen vergiessen; an dem Blut, das bisher vergossen worden ist und an Allem, was Ihr bis jetzt gelitten habt, seid Ihr selbst schuld.

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