Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853

98 Gerba. 3. unter Derwisch Pascha versammelten sich in Trebinje vier reguläre Bataillone mit zwei Geschützen und 1000 irreguläre Bosniaken, zusammen 3000 Mann; 4. endlich zählte Selim Bey von Antivari zwei reguläre Bataillone des Garde-Corps von Constantinopel, vier Gebirgs-Hau- bitzen und bei 2000 irreguläre Albanesen, zusammen 3000 Mann. Es rückten somit aus der Hercegovina bei 13.000 und aus Albanien ungefähr 9000 Mann vor, so dass die ganze Streitkraft des Seraskers, welche gegen Montenegro zu operiren bestimmt war, 22—24.000 Mann betrug, wovon die Hälfte irregulär, mit 33 Geschützen. Omer Pascha bezeichnete seine regulären Truppen als brav und verlässlich. Unter den irregulären Truppen fochten einige Stämme nach ihrer eigenthümlichen Weise sehr gut und waren von den Montenegrinern gefürchtet, während die andern nur »ihre Schuldigkeit thaten, wenn sie sich durch Kartätschen im Rücken angeeifert wussten«. Der Muschir hielt die Stärke seiner Truppen zur Lösung der ihm übertragenen Aufgabe für zureichend. In Anbetracht der Jahreszeit vrar die Aufgabe ungemein schwierig und die Schwierig­keit musste sich in demselben Grade steigern, je weiter der tür­kische Befehlshaber mit seinen Truppen in das unwegsame Berg­land einzudringen vermochte, da er auf montenegrinischem Boden nichts als kahle Felsen, aber keine Lebensmittel finden konnte. Nach dem Operations-Plane Omer Pascha’s hatten die beiden stärkeren Colonnen, d. i. jene im Zeta-Thale und die Colonne des Ismael Reis Pascha, welche von Niksic über Ostrog operiren sollte, die Aufgabe, angriffsweise vorzurücken, während die beiden kleine­ren Colonnen unter Derwisch Pascha und Selim Bey von Antivari die Montenegriner beschäftigen und ihre Aufmerksamkeit theilen sollten. Der Gebirgs-Complex der Crnagora, ein wild zerklüftetes, hoch aufgethürmtes und tief eingerissenes Chaos von Kalkstein­felsen, ist an sich schwer anzugreifen und hatte türkischerseits nur zwei Angriffsseiten: die nördliche aus der Hercegovina und die südöstliche von Albanien.

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