Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

Der letzte (dritte) Generalsturm und die Eroberung von Ofen am 2. September 1686. 95 Berichte es aussprachen')■ Geschütze (215 Stücke)2), Munition und Proviant waren in grosser Menge vorhanden, erstere aber theilweise unbrauchbar oder beschädigt. Mit der Siegesnachricht wurden der Deutschmeister Herzog von Pfalz-Neuburg an den Kaiser, der Prinz von Commercy an die Kaiserin- Witwe Eleonore abgesendet. Die Eroberung von Ofen wurde bald in ganz Europa, besonders aber in Deutschland, Österreich und Ungarn, wo lange Zeit noch der 2. September als Festtag gefeiert ward, nach ihrer vollen Bedeutung gewürdigt. Die Vertreibung der Osmanen aus Ofen war Kaiser Leopold’s I. und des Herzogs von Lothringen eigenstes Werk und zugleich ein Sieg des letzteren über eine einflussreiche, gefährliche Hofpartei, deren dunkle Absichten noch nicht genügend aufgeklärt sind. Bei einer so hendichen Kriegsthat können wirkliche oder ver­meintliche Fehler der Belagerer deren Ruhm nicht vermindern, nament­lich wenn bedacht wird, dass nicht alle Ursachen, welche die Hand­lungsweise eines so hervorragend grossen Mannes wie Lothringen be­stimmten, klar genug am Tage liegen. Der Festungskrieg stand noch nicht auf derselben Höhe wie 25 Jahre später und von jener methodischen Angriffsweise, die unter günstigen Umständen die Attaké eines festen Platzes zu einem mathematischen Probleme gestaltete, das in einer voraus bestimmbaren Zeit lösbar erschien, konnte bei der Eigentüm­lichkeit des angegriffenen Objectes und den Schwierigkeiten des Terrains, gegen welche die Belagerer ankämpfen mussten, überhaupt nicht die Rede sein. — Aus den erzählten Thatsachen lässt sich ent­nehmen, dass die Leistungen der verbündeten Truppen, besonders die der Kaiserlichen und der Brandenburger, unvergleichliche waren, und dass die kaiserliche Artillerie das Verdienst beanspruchen darf, die Er­stürmung von Ofen trefflich vorbereitet zu haben. Den Ingenieuren und Mineuren muss dagegen der Vorwurf gemacht werden, dass ihre geringe Brauchbarkeit das anfängliche Übergewicht der Defensive zur Folge hatte, obwohl nicht ausseracht gelassen werden darf, dass auch ihnen im Terrain und in den Localverhältnissen ganz ausserordentliche Hindernisse entgegentraten. Zwischen dem Angriffe im Norden und Nordwesten und jenem des Churfürsten von Bayern fehlte allerdings zuweilen die noth- wendige Übereinstimmung. Den Angriff auf das Ofner Schloss als ’) „Mit dem Schazgraben fahrt man forth, werden aber nur löhr verfallene gewölber gefundten.-1 — Bericht des Generals Van der Beck, ddo. Ofen, 20. Sep­tember 1686. — Registratur des k. k. Reicks-Kriegsministeriums. 2) Vergl. Beilage II.

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