Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
Der dritte (letzte) Generalsturm und die Eroberung von Ofen am 2. September 1686. 93 zu welchem auch brandenburgische Truppen und die erst am Morgen des 2. Septembers angekommenen Schweden bestimmt wurden, com- mandirte der brandenburgische General Barfus. Diesen drei Attakén wurden die 1000 Reiter zugetheilt, welche der Obrist Graf Magni und die Obristlieutenants der Regimenter Fürstenberg und Magni befehligten. — Die Bayern hielten ihre Approchen mit 1500 Mann unter dem Obristen Sartori besetzt , zu welchen Nachmittags noch weitere 1500 Mann unter dem Obristen Fürstenberg commandirt wurden. — Die Soldaten bewiesen beim Anlaufen ihre alte, unvergleichliche Bravour und gelangten rascher an die Palissaden und Abschnitte, als die zur Vertheidigung derselben herbeistürzenden Türken. Dennoch wurde die Colonne des Obristen Spinola so lange aufgehalten, bis die, durch das continuirliche Feuer der Batterie auf dem Schwabenberge trefflich unterstützten Colonnen de Souches und Barfus durchbrachen und dem Hauptabschnitte der Feinde in Flanke und Rücken kamen. Nun bahnte sich auch Spinola Raum und da immer mehr Soldaten, ganz gegen die Absicht des Oberfeldherrn, die Mauern überstiegen und längs derselben vorwärts stürmten, wurden die Türken aus einem noch unvollendeten Abschnitte, in welchem sie sich zu setzen versuchten, verjagt und in einem wilden Gemetzel gegen das Schloss getrieben. —• Allenthalben focht die Besatzung mit verzweifelter Hartnäckigkeit, besonders heftig war aber ihr Widerstand in der Judengasse und beim Wiener-Thore, wo der greise Pascha Abdurrahman und der Rest der Janitscharen den Heldentod fanden. — Etwas später als die Kaiserlichen und Brandenburger gingen 900 Bayern zum Sturme vor, mussten jedocb, nachdem ein ansehnlicher Theil derselben getödtet oder verwundet worden, weichen. •— Der Churfürst von Bayern, Hess 600 Mann der Reserve heranziehen und abermals gegen das Schloss stürmen. Noch immer konnten aber die Türken aus den zahlreichen, zur Vertheidigung trefflich geeigneten Gemächern und Gängen der Citadelle nicht verdrängt werden, bis endlich die von der entgegengesetzten Seite nachdrückenden Kaiserlichen das Thor auf dem Georgiplatze der bayerischen Reiterwache öffneten. Nun wurde jeder Widerstand der Vertheidiger zwecklos; in dichten Schaaren ergossen sich die Stürmenden durch alle Räume des Schlosses und trieben die Feinde in einem inneren Zwinger zusammen, in dem sie mit Granaten beworfen oder niedergeschossen wurden. Da der Herzog von Croy, welcher den Georgiplatz besetzt hielt, den Entschliessungen des Churfürsten von Bayern nicht vorgreifen wollte, steckten die Türken lange vergeblich weisse Tücher und Fahnen auf, bis endlich Maximilian Emanuel den Eingeschlossenen durch seinen Adjutanten Königsegg Schonung des Lebens zusichern Hess. — Inzwischen hatten die zur Bewachung der Laufgräben com- mandirten Soldaten, gemeinschaftlich mit den Stürmenden, sich plün-