Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

92 Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. September. Überläufer brachte die Nachricht, dass der Grossvezir eine Verstär­kung von 4000 Janitschax-en erwarte und dass die feindliche Entsatz­armee noch immer 40.000 Mann und mehr als hundert Geschütze zähle. Der dritte (letzte) Generalsturm und die Eroberung von Ofen am 2. September 1686. Diese Mittheilung befestigte den Entschluss Lothringen’s, mit dem projectirten Sturme keinen Augenblick zu zögern, nur noch mehr. Die Chancen für denselben waren momentan den Belagerern ziemlich günstig geworden; die Garnison war arg geschwächt, dabei ermüdet und entmuthigt und der Grossvezir stand regungslos in seinem Lager bei Promontor, konnte also, im Falle der Sturm gelingen sollte, gar nicht mehr rechtzeitig zur Bettung von Ofen eintreffen. Anderseits stand zu erwägen, dass alle Verstärkungen, auf welche die Belagerer rechnen durften, bereits angekommen waren, während ein weiteres Anwachsen der feindlichen Entsatzarmee durchaus nicht unwahr­scheinlich erschien. Ausserdem waren die Truppen der Verbündeten, besonders die Reiterei, nicht im Stande, die Anstrengungen, welche der Dienst während der letzten Tage erfordert hatte, länger zu ertragen. Der denkwürdige Kampf um Ofen, auf welchen das christliche Europa mit banger Erwartung blickte, sollte sich endlich am 2. Sep­tember entscheiden. Am frühen Morgen dieses Tages rückten die zum Sturme com- xnandirten Truppen in die Approchen ein, in denen sie sich, um dem Gegner nicht die Absichten des Herzogs von Lothringen zu verrathen, bis zur Ertheilung des Signals möglichst x'uhig zu verhalten hatten. — Um die gleiche Tageszeit liessen die Vertheidiger eine Mine zünden, welche einen Theil ihrer eigenen Palissaden in die Luft warf, während das Logement der Kaiserlichen auf dem Eckrundeil, das sie hätte zerstören sollen, ganz ixnbeschädigt blieb. Den aufrecht gebliebenen Rest der Palissaden des Gegners fegten die axxf der Bresche placirten Geschütze der Belagerer hinweg. — Der Genei’alissimxis hielt den Sturm nun für hinlänglich voi’bereitet und Hess, wenige Minuten nach 3 Uhr Nachmittags, durch 18 Schüsse, welche die Batterie auf dem Schwa­benberge x-asch nacheinander abgab, das Signal zur Attaké ertbeilen. Feldmarschall-Lieutenant Graf de Souches, der den Inspectionsdienst in den Approchen hatte, GFWM. Diependael, Obrist Graf Ottingen, Obristlieutenant d’Asti und Obristwachtmeister Bischofshausen befehligten den Angriff auf die neue, äussere oder Kaisei’-Bi’esche. Voxn Logement auf dem Eckrundei herab stüx-mte der Obrist Marchese Spinola, dem der Obristlieutenant von Malowetz des Regiments Scherffenberg und der Obristwachtmeister Baron Bersé des Regiments La Venie zuge- theilt waren. Den dritten, gegen das Graner Thor gerichteten Angriff,

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