Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

*) Die beiden Schriftstücke lauten nach der im Tagebuche des Hor^g0 — Lothringen befindlichen deutschen Übersetzimor • v/ommandirendter Bascha zu Offen Abdn Rahman Bascha, undt alle übrige der vestungss.Befelchshaber, Ihr sollet wissen, dass indeme wiir mit dess. grossmächtigsten unüberwindtlichsten Römischen Kayser unseres allergnädigsten Herrnss siegreichen Kriegsheren unter gegenwerdige Vestung khomen, selbige belagert, undt durch Crafft der stuckhen dergestalten Bresche gelegt, dass wür die vestung ehistens zu stürmen willenss seindt, wann Ihr nun die vestung übergeben werdet, sollet Ihr sambt allen volkh undt Umwohnern, Haab, und Guett sichern abzug haben, und convoyrt werden, widrigen Fahlss, sofern die vestung mit gewaffneter Handt solle übergehen, undt überstigen werden, wirt khein Mensch, wass stands oder Alterss Er seye, verschont, sondern alless Nidergemachet werden. Carl Herzog zu Lothringen. Antwort hierauf: Der Zeitli dess teutschen Kayserss, dess Römischen Imperator General-Lieuthenandt von Lothringen undt Baar. Ess wirt berichtet, dass wür Eur schreiben überkhomen undt dessen inhalt vernohmben haben, wür haben, wie Ihr Euch auss Eurm orth Movirt, schon gewust, dass Eur Intention vor dise vestung zu khomen, seye, daher wür Zu der göttlichen gnadt die Zuflucht nehmbendt Tag und nacht mit allen unsern Cräfften den glauben zu lieb unss bearbeithen, allein ist ess Ein unmögliche sach, dass unss die vestung zu übergeben Einfallen solle, Ihr habet gemeldet, dass Ihr sturmen wollet, Ein Zweymahl habet Ihr es schon ver­sucht, Gott hat euch gestrafft, wann Ihr auch noch liinfürozustürmen euch vor- nehmben werdet, so ist von dem Allerhöchsten dise unsere bitte, und Hoffnung, dass Er in ansehung seiness geehrtisten Apostelss undt Hochgeaclitisten Prophetenss Muhammed Mustapha mit seiner Crafft und macht euch straffe, dieweilen Ihr Hof- färtig worden seyt, dess Hoffärtigen aber Feindt upd straffer Gott ist. Abdu Rahman Bascha. K. k. Kriegs-Archiv. 21. Juli. nächsten Tag verschoben werden musste. Seit dem Vortage wurde auch an einer neuen Batterie gebaut, die ein Bundeil, das die Bela­gerer noch immer empfindlich belästigte, in der Flanke bestreichen sollte. — Aus Anlass der Verheerungen, welche das Auffliegen des Zeug­hauses innerhalb der Festung angerichtet hatte, liess der Herzog den Pascha zur Capitulation auffordern und das betreffende Schreiben durch den General-Adjutanten Königsegg um Mittag zur Bresche bringen. Die Türken wiesen es aber hier zurück und erklärten, das Schreiben dürfe nur am Stuhlweissenburger Thore von ihnen entgegen genommen werden. Dieses geschah und da die Antwort erst in vier Stunden ertheilt werden konnte, wurde für diese Zeit eine Waffen­ruhe vereinbart, welche die Angreifer und Vertheidiger theilweise dazu benützten, um an der Bresche mit einander zu plaudern und Tabak zu rauchen. Um 4 Uhr brachte ein Türke die in einen Beutel von carmoisinrother Seide eingenähte, abschlägig lautende Antwort *) zu dem genannten Thore, worauf die Feindseligkeiten sogleich wieder aufgenommen wurden. Obwohl seit mehreren Tagen wieder vom Fieber gequält, liess der Herzog von Lothringen dennoch die Dispositionen zu einem Sturme ertheilen, der am 24. Juli stattfinden sollte, vorausgesetzt, dass die verfertigte Mine die erwartete Wirkung haben würde. Diese Mine

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