Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

') — „und ward davon die Lufft so finster, dass mann anstatt des Himmels lauter Granaten, Bomben, Türken, Baleken, Feuer-Kugeln und Steine fliegen sähe.“ Königlich sächsisches Hauptstaats-Archiv. 2) „Der Churfürst so zu selbiger Zeit in dennen Approchen gewesen, ist Ein wenig übel tractiret worden, Indeme Ettliche der Unsrigen, durch den Knall, und fallendte Stein in Confusion gerathen, und Ihme so Sye aufhalten wollen, zimbliclier massen Zertretten. Auf den Kabutin ist man auch dergestalten mit Füssen spaciret, dass Er zwey tag in Bett ligen müssen.“ — Schreiben des Markgrafen Ludwig von Baden an seinen Oheim Hermann. Bei Köder. I, Seite 202 u. f. ‘23. Juli. Festung einschlug. Plötzlich erschien es den Soldaten, als ob das Schloss sich ihnen entgegenneige und die Erde unter ihren Füssen t’ortgezogen würde. Unmittelbar darauf erfolgte eine betäubende Deto­nation, und eine Wolke von Rauch und Staub, aus der Geschosse, Steine und Balken niederprasselten, hüllte Alles in finstere Nachtf). Die Soldaten, in der Meinung, es sei dicht vor ihnen eine Mine gesprungen, entliefen von ihren Posten und überrannten dabei den Churfürsten, welcher die Flüchtenden aufhalten wollte *). Obwohl Mauertrümmer in der Grösse von ansehnlichen Mühlsteinen über den Blocksberg hinüber und bis auf den Raizenkopf geschleudert wurden und in den Retranchements bei Pest drei Dragoner tödteten, war doch der Schaden, den die Explosion unter den Belagerern anrichtete, verhältnissmässig geringfügig, besonders wenn bedacht wird, dass das Wasser der Donau aus den Ufern gehoben wurde und in den Batterien die schwersten Geschütze umstürzten. Desto schlimmer waren aber ihre Wirkungen in der Festung selbst. Un­geachtet der Massen von Staub und Rauch bemerkten die Bela­gerer, dass es in der Stadt an mehreren Stellen brannte und als o / nach mehr als einer Stunde die ungeheure Rauchwolke von der Sonne durchbrochen wurde, zeigte es sich, dass eine Ecke des Schlosses weggerissen worden, in der gegen den Strom gewendeten Mauer eine 100 Schritte lange Bresche entstanden und ein Rundell halb in Trümmei gefallen war. Wie mehrere Überläufer später berichteten, sollen mil dem türkischen Hauptmagazin 8000 Centner Pulver aufgeflogen seir und 1500 Menschen dabei den Tod gefunden haben. — Gegen Mittag ritten der Herzog von Lothringen, der Churfürst von Bayern und mehrere Generale nach Pest hinüber, um die neu entstandene Bresche zu recognosciren. Zwar erwies sich diese nicht als praktikabel, di der Berg an dieser Stelle zu steil war und die neue, bis an die Donar reichende Communicationsmauer den Wallbruch deckte, doch wurde der Beschluss gefasst, dass im Falle eines Generalsturmes die National truppen auf dieser Seite demonstriren und damit den Feind zur Thei lung seiner Streitkräfte nöthigen sollten. Am 23. Juli arbeiteten die kaiserlichen Mineurs an der Herstel lung und Ladung einer Kammer in der Nähe des mittleren Rundells benöthigten aber hiezu so viele Zeit, dass die Sprengung auf der

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