Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

56 Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. 20. Juli. erschienen. Als aber die Belagerer, die mit den Eigentümlichkeiten der Gegner bereits vollständig vertraut waren, den Augenblick be­nützten, um gleichzeitig aus Geschützen und Musketen in die Haufen zu feuern, wurde rasch „wieder alles still“. — Gegen Mitternacht sprengte der Feind eine Mine, welche den arbeitenden Mineur Liberi mit zwei Gehilfen verschüttete und auch die Brandenburger, die ebenfalls angesetzt hatten, ihres besten Mineurs beraubte. Versuche, die zur Rettung der Verunglückten sofort unternommen wurden, blieben erfolg­los. Im Laufe des Tages war der durch seine Geschicklichkeit und Thätigkeit bekannte Ingenieur Fontana während des „Aussteckens“ durch den Fuss geschossen worden. — Auf der Seite der Bayern stiegen in der Nacht Mineurs und Soldaten in den Graben hinab, um sieh unter dem grossen Rundell einzunisten. Leider hatte aber eine Bombe das Dach des Schlossthurmes in Flammen gesetzt, die eine so grosse Helle verbreiteten, dass der Feind die Arbeiter entdecken und sechzehn der­selben tödten konnte, während der Rest nur mit Noth und grössten- theils verwundet noch gerettet wurde. Unter den Gebliebenen befand sich Rheding, Obristwachtmeister im bayerischen Regimente Steinau. — Im Hauptquartiere des Herzogs von Lothringen lief durch Kund­schafter die Nachricht ein, dass bei Eszék bereits mehrere Pascha mit ihren Kriegsvölkern angelangt seien und das Eintreffen des Grossvezirs daselbst erwartet werde. — Feldmarschall-Lieutenant Pálffy rückte mit 5000 Reitern im kaiserlichen Lager ein, wurde aber zum besseren Schutze des bayerischen Angriffes wieder gegen Ercsény detachirt. Die vielen Nachrichten, welche einen baldigen Anmarsch der Armee des Grossvezirs in Aussicht stellten, bewogen den Herzog von Lothringen seine Generale am 20. Juli zu einem Kriegsrathe zu berufen, in welchem der Oberbefehlshaber seine Absicht, einen Sturm unternehmen zu wollen, aussprach. Da jedoch die Generale hierüber nicht einig werden konnten und besonders der General-Lieutenant von Schöning mit triftigen Gründen dagegen sprach, wurde die Aus­führung dieses Projectes verschoben. — Die Kaiserlichen rückten an diesem Tage mit einer neuen Linie bis an den Fuss der Bresche vor und liessen ihre Mineurs an vier verschiedenen Stellen arbeiten. Der­jenige Mineur, welcher gegen das Eckrundell angesetzt hatte, gerieth in eine vor zwei Jahren gegrabene Mine, fand sie aber mit Wasser gefüllt und vollständig unbrauchbar. — Im Laufe des Tages wurden die Gegner dreimal alarmirt, indem Grenadiere gegen die Bresche vor­liefen und ihre Granaten hinter die neu errichteten Abschnitte und Palissaden warfen. Wenn hierauf die Türken in grosser Anzahl gegen die Bresche stürzten oder auf die Mauern eilten, wurden die schon vorher gerichteten Kanonen und Mörser der Belagerer unter sie abgefeuert. — Die Bayern schnitten an den Palissaden eine Linie ein, aus welcher zwei Minen unter der Sohle des Grabens gegen die

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