Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

Erfolgloser Sturm der Kaiserlichen am 13. Juli 1686. 57-21. .lall. ? ) I s 1 1 1 I r > 5 22. .Juli. I Mauern des Rundells vorgetrieben werden sollten. In unmittelbarer Nähe dieser Linie wurde ein Waffenplatz eingerichtet, in dem 1200 Sol­daten genügenden Raum und hinter Schutt und Mauerwerk Sicherheit landen. An Todten und Verwundeten verloren die Bayern 15 Mann, darunter zwei Officiere des (bayerischen) Regimentes Gallenfels. — Ein desertirter Raize bestätigte, dass die Geschosse der Kaiser­lichen ausserordentlich verheerend wirkten und eine einzige Bombe, die in einen Keller eingeschlagen, darin bei 100 Menschen getödtet habe. ■— Der Herzog von Lothringen erhielt die Meldung, dass es dem GFWM. Heissler gelungen sei, einen Theil der Erlauer Garnison in einen Hinterhalt zu locken und mehr als 200 Mann nebst dem Pascha niederzumachen. Am 21. Juli war auf Seite der Kaiserlichen das Geschütz leb­haft tliätig, um die Bresche zu erweitern und die Palissaden nieder­zuwerfen. Gleichzeitig setzten die Mineurs ihre Arbeit ohne Unter­brechung fort und jener, der gegen das Eckrundeil vorgegangen war, gelangte an die für den Ofen präliminirte Stelle, meldete aber auch, dass der Feind ihn entdeckt habe und aufsuche. Da die Ladung und Sprengung unmöglich mehr vor dem Einbrechen der türkischen Mineurs erfolgen konnte, wurden Vorkehrungen getroffen, um die feindlichen Arbeiter durch entgegengeschleuderte, mit entzündeten Brandröhren versehene Pulversäcke vertreiben zu können. Sieben Überläufer erzählten übereinstimmend, dass in der Festung grosser Mangel an Futter bestehe, deshalb eine Menge Vieh zu Grunde gegangen und das Fleisch unerschwinglich theuer geworden sei. Um die Aufmerk­samkeit der Feinde zu tlieilen, hatten die Bayern unmittelbar an der Donau eine Batterie für drei Geschütze erbaut, welche bestimmt war, die Mauer und das Rundell des Gartens unter ihr Feuer zu nehmen. Der 22. Juli zählte zu den merkwürdigsten und — allerdings nur in Folge eines Zufalles — ereignissreiclisten Tagen der langen und denkwürdigen Belagerung. Auf der Nordseite arbeiteten die Mineurs der Angreifer mit allem Fleisse, aber nicht mit dem gleichen Erfolg und Glück. In die Mine, welche unter das Eckrundeil getrieben worden, brachen, wie die kaiserlichen Arbeiter befürchtet hatten, die Feinde mit Übermacht ein, und Hessen den Belagerern kaum mehr die Zeit, die zur Kammer führende Gallerie mit Pulversäcken zu sprengen. Dagegen fand ein anderer Mineur die von dem Ingenieur Liberi unter der Courtine vollendete Kammer wieder auf und erklärte sie für so wenig beschädigt, dass er den Auftrag erhielt, sie noch während der Nacht zu laden und gegen Tagesanbruch zu sprengen. Dieser Befehl wurde mangelhaft und mit grosser Übereilung vollzogen, da die Mineurs entweder befürchteten, bei ihrer Arbeit von den Türken überrascht zu werden, oder, wie das brandenburg’sche Diarium be hauptet, „besoffen“ waren. Bei der Ladung wurde vieles Pulver unvor-

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