Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

') Schreiben ddo. Feldlager vor Ofen, 17. Juli 1686. — Abgedruckt bei Röder. I, Seite 193 u. f. Türken aber kaum weniger verloren. Die adeligen Volontärs, welche die Bresche um jeden Preis zu behaupten suchten und die kaiser­lichen Soldaten zurückdrängten, um als Vorderste kämpfen zu können, hatten besonders edle und zahlreiche Opfer zu beklagen. Unter den Todten befanden sich der Herzog von Bejár, Grande von Spanien und Ritter des goldenen Vliesses, der junge Fürst Piccolomini, der Graf Krottenbach, die Chevaliers von Duplessis und Courmaillou, dann die Briten Rupert, Talbot, Wiseman und Moore. Der Hei-zog von Escalona, Gi’ande von Spanien, der Prinz von Commercy, der junge Créqui, der Marquis de Blanchefort, der Graf d’Ofas, der Chevalier de St. Sulpice, Mylord Saville, der Obrist Forbes, der Capitän St. Geoi’ge und viele andere Personen von Rang und Ansehen waren unter den Verwundeten. Von den Brandenburgern waren der Obrist Graf Carl von Dohna, die Hauptleute Pettow und Canitz, dann ein Fähm-ich, der als Volontär auf der Bresche durch seine Tapferkeit das Staunen der kaiserlichen Soldaten erregt hatte, gefallen. Nach dem Rückzuge der Angreifer Hessen die Türken noch zwei Minen springen, die aber keinen Schaden thaten, und fielen darauf mit 200 Mann gegen die Brandenburger aus. Diese, befehligt von dem General von der Marwitz, empfingen sie aber mit einem so leb­haften und wohlgezielten Musketenfeuer, dass die Türken schleunigst Kehrt machten, und sich mit ihi-em Rückzuge so beeilten, dass sie nicht einmal nach ihrer Gewohnheit alle ihre Todten mit sich schleppten, son­dern vierzehn derselben den Bi-andenburgern zur Beerdigung überliessen. — Die Bayern ai'beiteten an diesem blutigen Tage an ihren Minen und an ihrer Contravallationslinie, welche letztere sie in wenigen Wochen vollenden wollten. Gegen Abend Hess der Churfürst, um den Angriff auf der Nord- und Nordwestseite einigermassen zu unterstützen, das Feuer verstärken und Truppenabtheilungen nach den Waffenplätzen marschiren. Der Kampf am 13. Juli, der den Belagerern so ausseroi'dentlich schwere Opfer kostete, hatte Dimensionen angenommen, die über die xirsprünglichen Absichten des Herzogs von Lothringen weit hinaus­gingen. Wie der Maikgraf Ludwig von Baden, dem eine parteiische Vei'theidigung der Massregeln des kaiserlichen Oberfeldhei-rn keines­wegs zugemuthet werden darf, an seinen Oheim berichtete'), wollte der Generalissimus nur den Versuch machen, seine Truppen an der Bresche zu logiren, nicht aber einen eigentlichen Sturm unternehmen, da für den letzteren Zweck der Wallbruch noch gar nicht genügend untersucht worden war. Feldmarschall Staidiemberg wollte die Angriffs- Colonnen bereits zurückziehen, als neue Abtheilungen — und vor

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