Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
41 28. Juni. 29. Juni. Gégén 3 Uhr Nachmittags fielen die Türken mit Infanterie gegen die innerhalb der Ringmauer der unteren Stadt, und mit Cavallerie gegen die ausserhalb derselben begonnenen Werke der Kaiserlichen aus. Hauptmann Graf Sauer vom Regimente Lothringen, der den zumeist bedrohten Posten mit 100 Mann besetzt hielt, vertheidigte diesen so hartnäckig gegen die mehrmal anstürmende feindliche Übermacht, dass die Bereitschaft haltende Reiterei noch Zeit bekam in das Gefecht einzugreifen und die Türken bis an die Fausse-braie der Festung zurück zu treiben. Rittmeister Falkenstein des Cürassier-Regiments Mercy zeichnete sich bei der Abweisung des Angriffes ganz besonders aus. — Mit eintretender Dunkelheit wurde die Herstellung einer Communication zwischen den in der vergangenen Nacht angefangenen Arbeiten begonnen. — Die Bayern verlängerten während der Nacht vom 26. auf den 27. Juni ihre Communicationslinie bis an die Donau und vollendeten die grosse Redoute auf dem Spiessberge. Die Laufgräben wurden erweitert, wegen ihrer Tiefe mit Auftritten versehen und ausserdem noch eine gegen die vordere Front des Schlosses gerichtete Batterie bis auf die Scharten und Bettungen fertig gestellt. Am 28. Juni wurden auf kaiserlicher Seite die Arbeiten fortgesetzt und zwei grosse Waffenplätze in der unteren Stadt neu errichtet. Die Feinde störten diese Unternehmungen nur wenig und richteten ihr Feuer fast ausschliesslich gegen die im Bau begriffene grosse Batterie.— Das hervorragendste Ereigniss dieses Tages war, dass am Abende der General-Commissär Graf Rabatta mit einem grossen Theile des Belagerungsgeschützes und der Munition im Lager eintraf. — Die Bayern vollendeten eine kleine, für etwa 150 Mann und einige Feldgeschütze bestimmte Redoute und begannen im Hohlwege zwischen dem Blocks- und Spiessberge mit der Herstellung eines Waffenplatzes für 500 bis 600 Mann. Wichtiger waren die Begebenheiten des nächsten Tages (29. Juni). Die Türken, welche in den letzten Tagen wiederholt auf der Schlossseite mit einer „sortie“ demonstrirt batten, fielen um 2 Uhr Nachmittags mit 500 bis 600 Janitscharen und 300 Pferden aus dem Stuhl- weissenburger Thore aus und umgingen, in der Absicht, die bayerischen Laufgräben von rückwärts anzugreifen, den Spiessberg. Glücklicherweise leisteten der FML. Graf de Fontaine, der GFWM. Steinau (Bayer) und der Obrist Graf Fürstenberg mit der Reserve gegen die Übermacht so lange zähen Widerstand, bis der Markgraf Ludwig von Baden und der Prinz Eugen von Savoyen mit Unterstützungen heranrückten. Letzterer ging sogleich mit zwei Escadronen zur Attaké vor und trieb die Feinde, mit denen sich seine Reiter vollständig vermischten, bis an das Stuhlweissenburger Thor zurück, in dessen Nähe auch noch die kaiserliche Reiterwache, die aus dem St. Paul-Thale herangesprengt