Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

42 Di0 Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. war, in ein kurzes Handgemenge gerieth. Die Belagerer verloren in dieser Affaire gegen 40 Mann, darunter den Obristlieutenant Zwitter­thal (Bayer), der durch eine Stückkugel getödtet worden, und zwei (verwundete) Lieutenants des Regiments Steinau. Dem Prinzen Eugen, welchem nach dem Zeugnisse des Markgrafen die Ehre des Tages gebührte, waren zwei Pferde unter dem Leibe erschossen worden. Die Feinde, die nach ihrer Gewohnheit die meisten ihrer Todten und Ver­wundeten mit sich fortschleppten, hatten eine ansehnliche Zahl von Leuten eingebüsst, so dass „Vor Eine Sortie zimblich viel von Ihnen geplieben“ '). Der Churfürst von Bayern, obwohl unpässlich, hatte sich durch keine Vorstellung abhalten lassen, zu Pferde zu steigen, an die bedrohtesten Punkte zu eilen und seine Soldaten durch Wort und Beispiel anzueifern. Die Bayern begnügten sich an diesem Tage damit, ihre Werke zu perfectioniren und um ihre Redouten Palissaden zu setzen. Auf der kaiserlichen Seite wurden neue Approchen gegen die Festung in Angriff genommen, welche Arbeit jedoch nicht ohne empfindliche Verluste ablief, da der Feind unaufhörlich Steine gegen die Belagerer warf. Bis zum 29. Juni waren bereits vier kaiserliche Ingenieure ausser Gefecht gesetzt worden. 0. Juni. Am 30. Juni trafen die schwäbischen Kreistruppen unter dem Markgrafen von Baden-Durlach bei der kaiserlichen Armee ein. Der Herzog von Lothringen besichtigte sie, fand sie in erwünschtem Zu­stande und wies ihnen in der Nähe seines eigenen Hauptquartiers ein Lager auf dem Schwabenberge an. — Die Angriffsarbeiten der Kaiser­lichen rückten bis auf 120 Schritte an die Mauer vor und in der Nacht begannen vier Mörser Bomben in die Festung zu werfen, in der alsbald die dem Graner Rundell benachbarte Franciscanerkirche in Brand gerieth. — Vier Raizen, bisher Schafhirten in Ofen, trieben eine Heerde von 500 Schafen in das bayerische Lager und bestätigten, dass die Türken bei ihrem gestrigen Ausfälle unverhält- nissmassig grosse Verluste erlitten hätten. Ausserdem erzählten sie, dass in der Festung der Vorrath an Getreide bald zur Neige gehen werde und in Folge des Mangels an Fourage bereits mehrere Pferde gefallen seien. 1. Juli. Während der Nacht auf den 1. Juli sicherten die Kaiserlichen ihre Approchen durch zwei an der Tete der Werke befindliche Redouten und begannen mit dem Bau einer neuen, grossen Mörserbatterie. — Im Laufe des Tages kam der brandenburgische General-Lieutenant von Schöning, der mit einigen, den Belagerern sehr erwünschten Inge­nieuren seinen Truppen vorausgeeilt war, im Hauptquartier des Her­zogs von Lothringen an und meldete, dass sein Corps in 48 Stunden ') Schreiben des Markgrafen Ludwig an Hermann von Baden Vom 30. Juni 1686. Abgedruckt bei Röder. I, Seite 184 u. f.

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