Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Die Ernährung und Leistungsfähigkeit der k. k. Truppen im Felde, von der Zeit des 30jährigen Krieges bis zur Gegenwart

von der Zeit des 30jälirigen Krieges bis zur Gegenwart. 267 von Baden und jenen der Eugen’schen Epoche von den Soldaten Leistungen vollführt und weite Züge unternommen wurden, welche die heutige, für alle Bedürfnisse minutiös vorsorgende Zeit nur erstaunt bewundern muss. Bärenhorst sagt hierüber in seinen Betrachtungen über die Kriegs­kunst, I. Band, 46: „Die Kriegführung der dreissiger Periode scheint übrigens etwas ßäthselhaftes zu haben — den Punkt der Subsistenz. Achtzig und hundert Meilen lange Züge stellen sich dem Nach­forscher vor; die Mittel, wie man es anfing, um darauf zu leben, würden sich gar nicht angeben lassen, wenn man sie nach den Regeln abmessen wollte, welche die Verpflegungswissenschaft jetzt darüber vorschreibt.“ Die Leistungen der Truppen erscheinen um so staunenswerther, wenn man bedenkt, dass in den letzten zehn Jahren des 30jährigen Krieges der Tross das Drei- itnd Vierfache der kämpfenden Truppen­zahl betrug. Die im Jahre 1648 unter Holzappel und Gronsfeld ste­hende kaiserliche Armee zählte 33.800 Mann Streitbare, während das Gefolge an Weibern, Kindern und Trossknechten die Zahl von 127.000 Menschen erreichte'). So sind es Wallenstein und Tilly, welche die kaiserlichen Truppen durch ganz Deutschland siegreich führen und die kaiserlichen Ehren­zeichen am Gestade der Ostsee aufpflanzen. Karl von Lothringen, Ludwig von Baden, Eugen von Savoyen, Guido von Starhemberg und noch viele andere kaiserliche Generale, erringen trotz aller früher geschilderten, mitunter ganz abnormen Verpflegsmängel in einer fast ununterbrochenen Reihe von Feldzügen viele und glänzende Siege gegen zehnfach überlegene Türken- und Rebellen-Heere, gegen gut ausgerüstete und meist gut verpflegte fran­zösische Armeen. In Italien bis nach Neapel, am Rhein, in den Niederlanden, in Spanien und in Ungarn kämpfen unentmuthigt kaiser­liche Truppen. Die Siege bei Wien, Gran, Ofen, am Berge Harsány, vor Bel­grad, bei Batotschina, Nis, Szlankamen, Zenta, Carpi, Chiari, Luzzara, Friedlingen, Höchstädt, Sibó, Turin, Gaeta, Audenarde, Malplaquet, Almenara, Saragossa, Peterwardein und Temesvár nebst vielen anderen kleineren, siegreichen Affairen sind schwererrungene Blätter in dem reichen Lorbeerkranze der kaiserlichen Heere. Solche hervorragende Thaten waren aber nur dadurch möglich, dass die kaiserlichen Generale bei ihren Truppen unerbittlich strenge Disciplin handhabten und jede Gelegenheit wahrnahmen, den Bedürf­nissen der Truppe gerecht zu werden. ') Gindely: „Geschichte des 30jährigen Krieges“, III. Abtheilung, pag. 168 und 221.

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