Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

254 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. Petneházy, 1500 Huszárén, 800 Kürassieren und 400 Dragonern (4700 Mann), dann 5 Geschützen und 1 Mörser von Szolnok auf (6. December). Den Feind vollständig überraschend, erschien Mercy vor der Palanka von Arad, erstürmte diese im ersten Anlaufe und nahm unmittelbar darauf auch die Stadt, welche er niederbrennen liess (9. December). In einem kurzen Kampfe und ohne nennenswerthe eigene Verluste hatte der General 1000 Türken getödtet und 400 ge­fangen, dann 16 Feldzeichen, 10 Geschütze, 3 Paar Pauken und eine Menge von Lebensmitteln erbeutet, welche letztere er unter seine Truppen vertheilen liess. Dieser verwegene Beutezug Mercy’s setzte den Feind in solchen Schrecken, dass der Pascha von Temesvár, aus Furcht vor einem ähnlichen Überfalle, die Vorstadt und alle Gebäude ausserhalb seiner Festung in Brand stecken liess '). Die Operationen der Verbündeten im Jahre 1685 brachten dem Kaiser keinen unmittelbaren Vortheil. König Johann Sobieski von Polen war durch Kränklichkeit verhindert, das Commando zu führen, die Unternehmungen des Kronfeldherrn Jablonowski aber erreichten mit der Niederlage, welche dieser bei Bojan durch Suleiman Pascha erlitt, ihren Abschluss. Dagegen fochten die Venezianer mit ihrem früheren Glücke. Sie und das ihnen verbündete sächsische Corps fassten auf der Halbinsel Morea festen Fuss und bemächtigten sich dort der wichtigen, stark befestigten Stadt Koron. In Constantinopel spielten sich im Spätjahre 1685 mehrfache Palast-Intriguen ab, welche unter der schwachen Regierung Muham- med IV. zu den gewöhnlichen Erscheinungen zählten und einige Jahre später sogar die Entthronung dieses Sultans herbeiführten. Von den Ränken des muthlosen und unwürdigen Grossvezirs Kara Ibrahim vollständig umstrickt, liess der willenlose Muhammed IV. mehrere Würdenträger, die sich den Neid oder Hass des elenden Günstlings zugezogen hatten, zum Opfer fallen. Der Seraskier Ibrahim (Scheitan) hatte sich, nach der Herstellung der Brücke bei Essegg, eben nach Belgrad begeben, als ihm, wegen des Verlustes von Neuhäusel und der Schädigung des Ansehens der Hohen Pforte durch wiederholte Friedensanträge, die seidene Schnur überbracht und die Hinrichtung an ihm sofort vollzogen wurde. Mehrere andere Pascha traf das gleiche Los. Auch Suleiman Pascha, den Kara Ibrahim ganz besonders hasste und fürchtete, würde der seidenen Schnur verfallen sein, wenn der Grossvezir es nicht für räthlich gehalten hätte, den populär gewor­denen Sieger von Bojan vorläufig noch zu schonen. Suleiman wurde deshalb mit Ehren überhäuft und für das nächste Jahr zum Seraskier ’) Récit des campagnes etc. -— Staats-Archiv.

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