Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685
236 Der Feldzug gegen die Türken im. Jahre 1685. der Untergang und gänzliches Verderben der Unterthanon die haubt- ursache wäre, mir dieses zu schreiben und er es erkhenet babe, dass sie verleitet, und verführt worden währen mit Euer Mayt. den Frieden zu brechen, und sie auch selbst den Jenigen straffen wollten, welcher die Ursach dessen gewesen. Was anbelanget, dass Detachement gegen Ober-Hungarn wird man kein Zeit verlihren, die behürige Anstalt zu machen, so bald man sehen wird, was der Feind ferners zu thun gesint. Euer Mayt. aber werden bereits gnädigst ersehen haben, was sich mit den Allyrten vor Diffieultäten eraignen *).“ Wenige Tage später (7. September) richtete der Vezirpascha Abdurrahman von Ofen ein Schreiben an den Präsidenten des Hof- kriegsrathes Hermann von Baden, in welchem er Letzteren für die Herbeiführung eines Friedens zwischen dem Kaiser und der Pforte zu gewinnen suchte * 2). Am 1. September lagerte die Armee bei Waitzen, von wo der Hnterhündler Achmed Dschelebi wieder an den Seraskier abgefertigt wurde. — Der Herzog unternahm sogleich die Besichtigung des von den Türken halb gesprengten Schlosses und Hess es, weil dessen Wiederherstellung nicht mehr lohnend schien, vollständig demoliren. — Croa- tische (Lodron’sche) Streif-Patrullen meldeten am 2. September, dass der Seraskier, der eine Belagerung von Erlau besorge, die Pascha von Erlau, Grosswardein und Temesvár, dann einen Theil der Tataren nach der Heimat entlassen, den Rest seiner Armee aber auf das rechte Donau-Ufer gezogen und bei Alt-Ofen gelagert habe. Auch sollte ein starkes Detachement nach Essegg abgegangen sein, um die vom Feld- marechall Leslie theilweise zerstörte, lange Brücke wieder zu repariren. Diese Nachrichten setzten ausser Zweifel, dass für die Hauptarmee in diesem Jahre nichts mehr zu verrichten sei. Der Kaiser wünschte zwar, dass, ungeachtet der schon vorgerückten Jahreszeit, noch mit der Belagerung von Erlau begonnen werde, aber der Ausführung dieser Absicht stellten sich mehrere bedeutende Hindernisse entgegen. Es hatte sich bei der Armee, welcher der Proviant bisher auf der Donau nachgeführt worden war, schon wiederholt empfindlicher Mangel, namentlich an Fourage, fühlbar gemacht. Hatte die Nähe des Stromes nicht allen Anständen wehren können, so war absolut gar nicht daran zu denken, die vereinigte Armee viele Meilen weit von der Donau zu entfernen und in einem verarmten, total ausgesogenen Lande zu erhalten. Dem Herzoge von Lothringen war ausserdem gar wohl bekannt, dass Erlau, ein schon durch seine Lage fester Platz, gut ') Bericht ddo. Feldlager bei Maros am 31. August 1685. —Grossherzogliclies Archiv in Karlsruhe und k. k. Kriegs-Archiv. 2) Abgedruckt bei Köder, 1. Band, Seite 160 u. f.