Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. 235 Mayt. Armee alhier, Laben die Tiirkhen zu Waitzen das Schloss an­gezündet, und zersprengt, anietzo aber lauffen Kundschaften ein, dass die türkbische Armée (nachdem sie den Bassa von Erlau gegen Hatvan detachirt) gegen Ofen hinübergehe. Gester abends ist der Aga alhier ankomben, welcher diesen verwichenen Winter bei den Obristen Heissler gefangen gewesen, welcher mir diesen beiliegenden Brief *) von dem Seraschier gebracht, zu Anfang dessen Er gleichsamb zu verstehen geben wollte, als hätte man Unserseits einige ainleitung zu einem Frieden gegeben, Welches aber gar nicht geschehen, zu­malen Ich nach der eroberung Neuhäusel dem Heissler gesagt, dass Er bemelten Aga entlassen solle, weil er schon frey, und mit andern ausgewexelt worden währe, werde also auf beschehene einrathung der andern Generals ohne schriftlicher antworth den Aga wieder abfer­tigen, deme alleinig durch den Dolmetscher habe sagen lassen, dass die supposition von Seraschier sich nicht also befindete, und falsch währe, dass demselben niemals diesen Vortrag habe thuen lassen (welches Er auch bekräftiget, vermeldent, dass Er dem Seraschier niemals solches gesagt hätte). Aber diess habe Ihme Aga bedeiten lassen, dass auch von Euer Kayl. Mayt. mir weiter Nichts währe anbefohlen worden, als dass Ich in Capite dero Waffen commandiren, und den Krieg führen sollte; wollte aber Euer Mayt. des Seraschiers schreiben richtig überschickhen, die sodann dero allergnädigsten Belieben nach schon Mittel und weeg zu finden wissen würden dero allergnädigsten Willen Ihme zu eröffnen, welches Ich zu diesem Ende mehrgemelten Seraschier mündlich durch den Aga habe zur antworth bedeiten lassen, damit ohne Eurer Mayt. allergnädigsten Befelch mich disfalls nicht verfänglich mache. Mehr gemelter Aga sagte mir unter Anderm, dass 1 1) Dieser Brief lautet (in Übersetzung) : „Unserm geliebten Freund, dem Her­zoge von Lothringen, gegenwärtig Generalissimus des deutschen Kaisers, machen wir, nach Entbietung unseres Grasses und Glückwunsches, zu wissen: Nachdem der Defterdár Achmed Dschelebi aus Eurer Gegend herübergekommen ist und berichtet hat, dass ich, Euer Freund, wenn ich einen Vertrag einzugehen entschlossen wäre, Euch einen Brief überschicken könnte, habe ich das gegenwärtige, freundschaft­liche Schreiben verfassen und absenden lassen. Da ich mich nämlich im Dienste der Diener Gottes befinde, wünschen sowohl wir als diejenigen, welche Ursache (unseres Zwistes) gewesen, dass unsere beiderseitigen Unterthanen und Vasallen in den Zustand der Ruhe versetzt werden, damit allerorts geordnete Herrschaft und Wohlfahrt eintrete und bis an das Ende der Welt bleibe. Wir wollen nicht den Unter­gang der beiden Reiche und ihrer Unterthanen. Unser Wort wird Gott gefallen und Alles, was wir vereinbaren, wird von unserem grossmächtigen und furchtbaren Kaiser und Beherrscher des Weltalls gnädig aufgenommen und bestätigt werden. Wir haben deshalb den genannten Achmed Dschelebi wieder abgesendet und ihm mehrere und genauere Aufträge ertheilt, welche er mündlich mittlieilen wird. Wenn sich von Eurer Seite ein vertrauenswürdiger Mann einfinden wird, wollen wir mit diesem wegen der Beruhigung und Regierung unserer beiderseitigen Vasallen und Unterthanen in Verhandlungen treten. — Übrigens begleite alles Heil denjenigen, welcher den wahren Weg verfolget. Gegeben im Feldlager. Ibrahim.“ Original (lateinisch) im grossherzoglichen Archiv in Karlsruhe. Abschrift im k. k. Kriegs-Archive.

Next

/
Thumbnails
Contents