Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

234 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. worden war, die Offensive zu ergreifen und den Seraskier entweder zu einer zweiten Schlackt oder zur Räumung des Landes zu zwingen. Am 24. brach die Armee (55.000 Mann) von Komorn auf und stand am 26. August wieder in ihrem alten Lager bei Párkány, noch immer so stattlich und „in dem Standt, alss wann sie Erst auss den Winther- quartieren gezogen wäre'). Hier wurde von Kundschaftern in Erfahrung gebracht, dass der Seraskier von seinem Plane, Neográd zu renoviren, wieder abgekommen sei und die Befestigungen dieses Platzes gegen­wärtig zur Sprengung lierrichten lasse. Lothringen wusste wohl, dass die feindliche Hauptarmee und ihr Be­fehlshaber ihm nicht mehr gefährlich werden könnten. Er beabsichtigte deshalb, die Corps der Generale Leslie und Schulz entsprechend zu verstärken, mit der Hauptarmee aber den Seraskier aufzusuchen. Am 28. August wurde die Gran überschritten und an der Eipel ein Lager bezogen. Die Armee passirte am 29. auch diesen Fluss, rückte aber, da heftige Regengüsse die Wege wieder ganz verdorben hatten, nur bis an den Eingang des Defile’s von Gross-Maros vor. Verläss­liche Nachrichten, die immer zahlreicher eingingen, bestätigten, dass der Feind Waitzen ebenfalls aufgegeben habe und bei Pest auf das rechte Donau-Ufer zurückgegangen sei. — Am 30. lagerte die Armee bei Gross-Maros und konnte von hier aus den Brand von Waitzen, das die Türken angezündet hatten, deutlich wahrnehmen. Jenseits des Stromes wurden einige feindliche Streifcorps bemerkt, welche das Lager der Kaiserlichen aufmerksam beobachteten. — Gegen Abend traf der Defterdár Achmed Dschelebi mit einem Schreiben des Seraskiers an den Herzog von Lothringen bei den Vorposten ein. Da ein abermaliger Regen den Weitermarsch fast unmöglich machte, ausserdem der Proviant, welcher der Armee auf der Donau nachgeführt werden sollte, noch nicht eingetroffen war, blieb Lothringen auch den nächsten Tag (31.) bei Gross-Maros. Er berichtete von hier aus an den Kaiser: „Zu Volge dessen, was Ewer Mayt. ich letztlich allerunterthänigst geschrieben, dass dero Armee sich gegen Waitzen incaminiren würde, berichte gehorsambst, dass, nachdeme man die f&ge Defiléen gegen Novigrad durchpassirt, besagte Ewer Kayl. Mayt. Armée glückhlich alhier zu Maros gegen Visegrád über die Donau angelangt seyn, in welchem Marek man nicht den geringsten Widerstand des Feinds angetroffen, welcher vor zwey Tagen (29. August) eine Pastey zu Novigrad gesprengt, undt den orth verlassen, werde also besagten orth recognosciren lassen und Euer Mayt. sodann die unterthänigst ausführliche relation erstatten. Gester abendts bey anrückung Euer ') Schreiben des Markgrafen Ludwig von Baden an seinen Oheim Hermann, ddo. Lager bei Párkány am 26. August 1685. — Abgedruckt bei Röder, 1. Band, Seite 158 u. f.

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