Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

206 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. stadt von Kanizsa in Brand. Die lange Brücke bei Essegg (Dárda) wurde nur durch die Wachsamkeit der Türken vor einem gleichen Schicksale bewahrt. Während dieser Begebenheiten in Ungarn und Croatien wurden in Wien Berathungen über die Ziele und Zwecke der bevorstehenden Campagne gepflogen. Die Feldmarschälle Caprara, Hermann von Baden, Leslie und Kaplir hatten vom Kaiser den Befehl erhalten, ihre Gut­achten über den zu verfolgenden Kriegsplan in Vorlage zu bringen. Diese noch voi’handenen Gutachten *) enthielten aber keine positiven Vor­schläge, weil damals (März) die eigenen und feindlichen Streitkräfte noch nicht genau bekannt waren und die Befragten in der Scheu vor der Äusserung entschiedener Meinungen mit einander wetteiferten. Im Allgemeinen stimmten aber alle Anträge überein, dass man die eigenen Streitkräfte in eine Hauptarmee, welche sich, des Nachschubes wegen, nicht zu weit von der Donau entfernen sollte, „und zwei Corpora (an der Drau und in Ober-Ungarn) dividiren“ müsse. Komorn oder Párkány wurden als die vortheilhaftesten Sammelplätze der Haupt­armee bezeichnet, deren Aufgabe in erster Linie darin zu bestehen habe, „dem Feinde den Kopf zu bieten, selben von allen Einfällen in die Erbländer abzuhalten, die etwa von den christlichen Truppen vorzunehmende Belagerung zu bedecken und den Feind zu behindern, die seinigen zu succuriren“. — Die zweite Rolle wurde dem „Corpo“ an der Drau zugedacht, das zwar im Allgemeinen selbständig operiren, jedoch, in Übereinstimmung mit den Vorgängen auf dem Kriegstheater an der Donau, eine Diversion gegen Essegg und die dortige Brücke, also gegen die kürzeste und wichtigste Rückzugs- und Nachschubs­linie des Gegners unternehmen sollte. Bezüglich des Corps in Ober- Ungarn sprechen sich die Gutachten nicht näher aus. Die Gutachten der Feldmarschälle dienten als Substrat für die Berathungen einer Conferenz, die der Kaiser für den 16. April 1685 angeordnet hatte, und in welcher der Herzog von Lothringen den Vor­sitz führte. Derselben wurden der Fürst Dietrichstein, der Vicekanzler Graf Königsegg, der Kanzler von Böhmen Graf Kinsky, der Kammer- Präsident Graf Rosenberg, der Hofkanzler Freiherr von Strattmann und alle Staatsräthe, dann der Präsident des Hofkriegsrathes Hermann Markgraf von Baden, der Vice-Präsident Graf Kaplir, die Feldmarschälle Starhemberg, Caprara und Leslie, der General-Commissär Graf Rabatta und der G. d. C. Ludwig Markgraf von Baden beigezogen. Zu feststehenden Entschliessungen kam esbei dieser Conferenz eben­falls nicht und es würden solche auch durch den Markgrafen Hermann verhindert worden sein, welcher den Churfürsten Maximilian Emanuel bereits bewogen hatte, vom Kaiser die Lostrennung des bayerischen *) Grossherzogliches Archiv in Karlsruhe und k. k. Kriegs-Archiv.

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