Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. 207 Corps von der übrigen Armee zu verlangen. Der Churfürst, unter welchem Hermann von Baden commandiren sollte, hegte die Absicht, mit seinen Truppen ganz selbständig zu operiren. Diese Zersplitterung der ohnehin nicht sehr zahlreichen Streitkräfte wäre sicher von den nachtheiligsten Folgen begleitet gewesen. Der Herzog von Lothringen, „connoissant bien l’esprit brouillon1* des Markgrafen ’), erwirkte deshalb vom Kaiser die Bewilligung, die Armee bis zum Eintreffen Maximilian Emanuel’s vereinigt zu belassen. Ein Umstimmen des Churfürsten Hess sich sodann von einer mündlichen Besprechung erwarten und ist auch später dem concilianten Wesen des Herzogs Karl ohne besondere Mühe gelungen. — Zur Erörterung auf der Conferenz gelangten also nur die Vor- oder Nachtheile eines Angriffes auf Neuhäusel, Neográd, Stuhlweissenburg oder Ofen, sowie die Eventualität nachdrücklicher Vorstösse längs der Drau und in das Gebiet der Theiss, von welchen sowohl die Erdrückung der Insurrection Thököly’s, als die Ausdehnung der eigenen, nächsten Winterquartiere erwartet werden konnte. Weitere Berathungen erstreckten sich auf die Eintheilung der Armee und der Generale, die beiläufige Stärke der Corps und die Modalitäten des Munitions- und Proviant-Nachschubes. Das Verpflegswesen wurde im Allgemeinen im guten Zustande befunden, leider aber auch constatirt, dass an Geschützen, Pulver und Projectilen, sowie an Ingenieuren und Mineuren, empfindliche Abgänge beständen. Festgestellt wurde nur, dass bis Ende Mai die in Ungarn bequartierten, zur Hauptarmee bestimmten Truppen sich an der Waag zu vereinigen hätten, zu welchen bis 10. Juni auch die Regimenter aus den Erbländern stossen sollten. Bis 20. Juni müsse Alles schlagfertig und das vorhandene schwere Geschütz zu Schiffe nach Komorn gebracht sein. Am 27. April erliess der Kaiser ein Patent, welches die Stände Dalmatiens, Slavoniens und Croatiens zur Aufbietung einer ausserordentlichen Insurrection aufforderte und deren Organisation und Befehligung dem Feldmarschall Jacob Grafen Leslie übertrug2). Ordre de bataille3). Grösstentheils auf den Vorschlag des Herzogs von Lothringen wurden vom Kaiser die Generale und Truppen in folgender Weise vertheilt: I. Hauptarmee. Commandant: General-Lieutenant Herzog Kar IV. von Lothringen. *) Journaux des campagnes de Charles V. de Lorraine. Staats-Archiv. 2) Stadt-Archiv zu Agram und k. k. Kriegs-Archiv. 3) Haus-, Hof- und Staats-Archiv: Journaux des campagnes. Theilweise auch Kriegs-Archiv.