Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. 205 Neuhäusel zu bringen, nahmen die Türken ihre Zuflucht zur List. Die Bewohner der Ortschaften um Neuhäusel brachten sich in den Besitz von Lebensmitteln und Hessen diese heimlich und meistens zur Nachtzeit in die Festung gelangen. Dieser Proviantirung vermochte Heissler bei aller Umsicht nicht zu steuern, obwohl er dem Befehle des Hofkriegsrathes nachkam, welcher anordnete, gegen Alle, „so bei solchem Handel erdappet werden“, mit Feuer und Schwert vorzugehen. Die Besatzung von Neuhäusel suchte ihrerseits durch Ausfälle den Kaiserlichen den erlittenen Schaden zu vergelten und brach wieder­holt (Februar und Mai) in die Schütt ein, auf welcher sie die neu­erbaute Schanze bei Gutta mit Übermacht angriff. Bei diesen Unter­nehmungen war den Türken aber das Glück nicht hold, denn jedes­mal wurden sie von der Schanze, welche nur wenige Hayducken vertheidigten, mit Verlust zurückgewiesen. General Graf Schulz hatte auf die erste Nachricht von der Con- centrirung feindlicher Streitkräfte im nordöstlichen Ungarn den Befehl erhalten, aus den Bergstädten nach dem Gebiete der oberen Theiss vorzurücken (Winter 1685). Er erbeutete in der Gegend von Munkács einen Convoi Thököly’s und begann, als die Jahreszeit es gestattete, die Belagerung von Unghvár. Diese blieb aber erfolglos, da der Platz hartnäckig vertheidigt wurde und die kaiserlichen Soldaten, die fast den ganzen Winter hatten campiren müssen, an Belagerungsgeräthen und Proviant, ja sogar an der Montur Mangel litten. Da zudem noch die Weisung einlangte, die zugetheilten bayerischen Truppen unver- weilt zu der Hauptarmee abzusenden, sah sich Schulz bemiissigt, die Belagerung aufzuheben. Das einzige Ergebniss seiner im Frühjahre unternommenen Operationen bestand in der Einnahme des Schlosses Krasznahorka, welche in Folge einer Capitulation erfolgte '). — Als der Herzog von Lothringen bei der Armee eingetroifen war, erhielt Schulz den Befehl, bis zur Feststellung der Hauptoperationen sich in keine neuen Unternehmungen einzulassen, sondern sich auf die Beobachtung der Vorgänge in Ober-Ungarn zu beschränken und nach diesen sein eigenes Verhalten zu regeln. Erst als die Hauptarmee die Belagerung von Neuhäusel begonnen hatte, wurde FML. Schulz ermächtigt, das feste Eperies einzuschliessen. Im Süden des Kriegsschauplatzes verblieben die Besatzungen von Virovitica (Veröcze) und Carlstadt nicht unthätig, besonders als das Gerücht von einem Angriffe der Türken auf Petrinia ohne Bestätigung geblieben war. Wiederholt fielen türkische Convois, die nach der Festung Kanizsa bestimmt waren, mit zahlreichen Gefangenen und ansehnlicher Beute in die Hände der streifenden Croaten. Unter den Geschützen des Feindes steckten kaiserliche Detachements die Vor­') Registratur des Reichs-Kriegsministeriums.

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