Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. 199 6000 Cölnern und 3000 Hessen, zusammen also 75.000 Mann bringen, wobei die schwäbischen und oberrheinischen Truppen gar nicht, die ungarischen und croatischen National-Truppen nur theilweise in Rech­nung gezogen waren. Mit dieser Armee gedachte man im Rathe des Kaisers weniger die Wiederbelagerung von Ofen, als vielmehr die Eroberung von jenen Plätzen, welche, wie Neuhäusel, Neográd und Stuhlweissenburg, die Erbländer beunruhigen konnten, zu unter­nehmen. Ein positiver Entschluss wurde aber vorläufig nicht gefasst. Während des Winters wurden in Wien mit den deutschen Reichs­fürsten eifrige Verhandlungen wegen der Beistellung von Auxiliar- truppen und Kriegsmaterial gepflogen. Da die kaiserlichen Giessereien allein die nothwendigen schweren Geschütze unmöglich hersteilen konnten, wurden einzelne Reichsstände aufgefordert, Kanonen grösseren Calibers abzutreten, wofür als Entschädigung Bruchmetall überlassen und die Giesskosten ersetzt werden sollten. Chursachsen, Churbayern, Churmainz, Würzburg, der Erzbischof von Salzburg, dann die Städte Nürnberg und Augsburg stellten hierauf zustimmende Anträge. Mit Brandenburg fanden wegen Überlassung von Hilfstruppen Unterhand­lungen statt, diese ergaben aber vorläufig noch kein Resultat. Chur­sachsen stellte zwar nicht dem Kaiser, wohl aber der Republik Venedig Hilfs Völker, und zur Completirung einiger venezianischer Dragoner- Regimenter wurde in Deutschland und sogar in Österreich die Werbung gestattet. Das Verhältniss zwischen Österreich und Polen hatte sich gegen das Vorjahr wenig verändert und in keiner Weise gebessert ‘). Viele charakteristische Anzeichen Hessen wahrnehmen, dass in Polen der Türkenkrieg als eine drückende Last empfunden wurde, dass die wider­sprechendsten Einflüsse Nation und Regenten beherrschten und dass es eben nur eine augenblickliche Verstimmung gegen Frankreich gewesen war, welche den König Johann III. in das Bündniss mit dem Kaiser geführt hatte. — Zwischen dem polnischen Grossfeldherrn Jablonowski und den kaiserlichen Generalen fanden zahlreiche, theil­weise recht widerliche Reibungen statt und im königlichen Schlosse zu Warschau fand Thököly’s Vertrauter Daniel Absalon Aufnahme und erwünschte Gelegenheit, mit dem Marquis de Béthune ungestört zu verkehren, so dass sich der österreichische Resident Zierowski veranlasst fand, am 15. April 1685 nach Wien zu berichten, man solle dem heimreisenden Absalon auflauern, da dieser viel französisches Gold bei sich führen dürfte * 2). Entsprach die Allianz mit Polen den Erwartungen nicht, die man in Wien im Jahre 1683 daran geknüpft hatte, so gewann dagegen die *) Mittheilungen des Kriegs-Archivs 1884, Seite 377 u. f. 2) Registratur des Reichs-Kriegsministeriums. 14*

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