Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

198 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. deshalb für den nächsten Feldzug gegen die Türken eine ziemlich ausgiebige Unterstützung von Seite der Reichsfürsten erwarten. Ganz besonders stand die energische Mitwirkung des Churfürsten Maximilian Emanuel von Bayern in Aussicht, da dessen Vermählung mit der Erz­herzogin Maria Antonia, der Tochter Leopold’s L, schon im Beginne des Jahres 1685 als bestimmt bevorstehend galt. Diese günstigen Aus­sichten brachten jedoch in Wien die im letzten Feldzuge gesammelten Erfahrungen keinen Augenblick in Vergessenheit. Das Streben des Kaisers und der meisten massgebenden Personen war deshalb weniger darauf gerichtet, in der bevorstehenden Campagne Haupterfolge zu erringen, sondern ging vielmehr dahin, solche vorzubereiten, die ungarische Insurrection in Auflösung zu bringen und einen möglichst grossen Theil von Ungarn zu oecupiren, um daselbst die Truppen in Winterquartiere legen und die Erbländer von dieser schon wieder­holt getragenen Last befreien zu können. Im Allgemeinen waren also die vom Feldmarschall Rüdiger Starhemberg im Vorjahre verfochtenen Ansichten zu Ehren gekommen und die späteren Ereignisse haben die einsichtsvollen Rathschläge dieses Generals noch weiter und glänzend gerechtfertigt. Specielle Motive, welche ein Temporisiren empfahlen, waren die noch immer mächtige, durch die angebotene Amnestie nicht wesentlich geschwächte Partei des Insurrections-Hauptes Thököly *) und der wenig befriedigende Zustand der Finanzen. Die Erbländer zeigten sich durch die langen Kriege in jeder Hinsicht erschöpft; die Regimenter hatten grosse Abgänge und waren nicht l’egelmässig bezahlt und ein beträchtlicher Theil des im vergangenen Sommer bei der Belagerung von Ofen verwendeten schweren Geschützes war, wie erwähnt, schadhaft oder ganz unbrauchbar geworden. Obwohl es weder in Österreich, noch in Deutschland an beträchtlichen Geldspenden fehlte und, z. B. der letzte Wille des am 11. Januar 1685 zu Lettowitz in Mähren aus dem Leben geschiedenen Erzbischofs von Gran, Georg Szelepcsényi, die Hofkammer zum Erben des auf mehr als 170.000 Gulden geschätzten, beweglichen Nachlasses dieses Kirchenfürsten eingesetzt hatte, liess sich die Auf­bringung der nothwendigen Geldmittel doch erst nach dem Einlaufen der ausgeschriebenen Türkensteuer und der vom Papste Innocenz XI. und einigen italienischen Fürsten versprochenen, namhaften Subsidien mit Sicherheit erwarten. Auch von Spanien, wo im Sommer die Silberflotte aus Amerika zu landen hatte, konnte diesmal eine aus­giebige Unterstützung mit Wahrscheinlichkeit gehofft werden. Mit allen diesen, in das Calcul gezogenen Summen, liess sich die Armee nach einem nur beiläufigen Präliminar, auf einen Stand von 40.000 Kaiserlichen, 10.000 Lüneburgern, 8000 Franken, 8000 Bayern, *) Die von Koloman Thaly empfohlene Schreibweise des Namens Thököly wurde im obigen Aufsatze beibohalten.

Next

/
Thumbnails
Contents