Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Hauptmann Duncker: Die Capitulation Breslau's am 3. Januar 1741

194 Zur Capitulation Breslau’s am 3. Januar 1741 „Breslau gehört mir,“ schrieb König Friedrich am 4. Januar 1741, voll Freude über den leicht errungenen Erfolg, an den Minister Podewils '). Seine Zuversicht, dass ihm Breslau die Thore öffnen werde, musste übrigens auf ganz positiver Kenntniss der dortigen Verhält­nisse beruhen; denn einen Zweifel, dass die Unternehmung scheitern könnte, zieht er gar nicht in seinen Calcul. Am 23. December schreibt er schon von Herrndorf aus an die Bayreuther Lieblingsschwester: „Nous avancerons bientöt vers Breslau. Je compte d’y étre vers le 10 de janvier. Les portes m’y seront ouvertes 2)“ ; am 29. December aus Parchwitz an den Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau: „übermorgen rücke in Breslau ein“3). Es ist bereits an anderer Stelle erwähnt worden4), dass die Rücksicht, welche man in Wien den sogenannten Privilegien Breslau’s gewährte, den Verlust der Landes-Hauptstadt zur Folge hatte und dass dadurch der Verlauf der weiteren Ereignisse in Schlesien ent­scheidend beeinflusst wurde. Die Stadt hätte mit Erfolg vertheidigt und der Königin erhalten werden können. Dieses Empfinden äussert sich auch in den uns aufbehaltenen Berichten zuverlässiger, gut unter­richteter und scharf beobachtender Zeitgenossen. So sagt der österreichische Resident in Berlin, von Demeradt, in seinem Berichte an die Königin vom 3. Januar 1741 darüber: „wann aber diese Stadt nur von selbsten, wie alhier durchgehends ausgestreuet und gehoffet wird, sich nicht ergeben will, so mögte Selbige keine so grosse Gefahr auszustehen haben, und die hiesige darwider gehende Unternehmung eben nicht so leicht, wie mann sich alhier vorstellig machet und schmeichelt, gelingen können; Massen die dermahlen bei sich habende artiglerie zu derselben übergewalthi- gung und ergebungszwang bei weithem nicht hinlänglich seyn kan, und das jüngsthin gemeldet in 24 stücke Halb-Carthaunen bestehende Geschütze dermahlen annoch alhier eingeschiffet lieget, ohne das selbiges wegen des Frosts und nach und nach mit eys sich zulegen- *) *) „Politische Correspondenz“, I. Band, Seite 170. 2) „Oeuvres de Frédéric le Grand“. Tom. XXVII. Correspondance, Tom. XII, premiere partié, p. 97. Berlin 1856. Das Motiv, weshalb der König schon früher, als er nach obigem Briefe beabsichtigt zu haben scheint, gegen Breslau aufbrach, lag in den Nachrichten, die er aus dieser Stadt erhalten hatte. Anmerkung 5, Seite 46 „die Invasion Schlesiens etc.“ spricht dies deutlich aus. Ein Brief an die Königin Elisa­beth, seine Gemalin, aus dem Marschquartier Gläsersdorf vom 28. December setzt schon den Einmarsch auf den 1. Januar an. Oeuvres XXVI. „Correspondance“, Tom. XI, p. 18. Berlin 1855. In einem Briefe aus Herrndorf am 23. December Morgens an den Erbprinzen Leopold von Anhalt-Dessau, sagt der König „und weiss ich alle Mouvemens von Ihnen“ (den Österreichern). Bei Orlich „Geschichte der schlesischen Kriege“. Urkunden, I. Theil, Seite 381, Berlin 1841. 3) Bei Orlich: „Geschichte der schlesischen Kriege“, Urkunden, I. Theil, Seite 299. 4) Siehe „Die Invasion Schlesiens“ etc. Seite 42 und 65.

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