Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Hauptmann Duncker: Die Capitulation Breslau's am 3. Januar 1741

Zur Capitulation Breslau’s am 3. Januar 1741. 195 den Strohms, sonderheitl. des zu passiren habenden neuen grabens fortgebracht werden kann“ *). In seinem Berichte vom 21. Januar au den Oberst Hofkanzler Graf Sinzendorff spricht sich Demeradt folgen dermassen aus: „Das übelste bey der gantzen hiesigen Unternehmung ist unter andern auch jenes, das der Magistrat und die Bürgerschaft der Stadt Breslau sich so leichter Dingen zu der errichteten Neutralitäts-Capitulation, welche Sie mit der Zeit gantz anders und bei weithem nicht vermöge ihrer von allerhöchsten Orthen so heilig gehaltenen Privilegien erfahren werden, haben binden lassen; massen nunmehro die hiesige armée ihre vollkommene Subsistenz aus dem alldorten versandeten Vorrath ziehet, und ohne denselben zu grund gegangen, Mithin die hiesige Unter­nehmung meistenteils von sich Selbsten zerfallen sein würde“ 2). In Wien scheint man in später Stunde sich endlich zu Mass- regeln bezüglich der Erhaltung der Hauptstadt Schlesiens entschlossen und dem arbiträren Ermessen des commandirenden Generals die An­gelegenheit teilweise anheimgestellt zu haben. Das Registraturs-Protokoll des Hofkriegsrates verzeichnet näm­lich unter dem Datum des 5. Januar ein Rescript an Feldmarschall- Lieutenant Graf Browne, worin demselben mitgeteilt wird, „was dem Breslauer Magistrat auf die gemachte Anfrage, wie sich, falls die preussischen Truppen dasige Stadt berennen sollten, zu verhalten sei, geantwortet worden. Oberst Br. Roth sei sogleich dahin abzusenden und selbem ermelten Magistrat zur Hineinnehmung königlicher Trup­pen zu disponiren, aufzutragen“ ; — beigefügt war, dass von Wien „nicht determinirt werden könne, wie die Hineinsendung einiger Mann­schaft allenfalls vorzunehmen“. Am 6. Januar wurde an den comman­direnden General die Abschrift eines Erlasses der böhmischen Hof­kanzlei an den Oberamts-Director Grafen Schaffgotsch expedirt, worin auf das gleichzeitig an den Letzteren ergangene königliche Rescript Bezug genommen war. 4 * * * * * * il 4) Es trat zwei Tage darauf Thauwetter ein und die schwere Artillerie mit einem ungemein grossen Munitions-Vorrathe, darunter 7000 Bomben, konnte von Berlin abgehen, fror aber sechs Meilen von dort wieder ein. K. k. Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Berichte aus Berlin vom 3., 7. und 24. Januar 1741. Staatskanzlei 14 b. 2) K. k. Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Staatskanzlei 14 b. Auch der vene- tianische Botschafter Pietro Andrea Capello sagt in seiner Relation vom 25. Februar 1741 an den Dogen Ludovico Pisani, indem er von neuen preussischen Forderungen spricht, die an Breslau gestellt worden sein sollen: „Fortificata la cittä, munita di molta Artigleria, e proveduta d’armi, potrebero ventiquatro milla (?) de suoi abitanti armarsi e sostenere l’assedio. Quest-i ministri non hanno concepione fiducia. Ricusato il presidio Austriaco nei primi giorni della Guerra, et all’ incontro ommesso alia prima comparsa il Re di Prussia, et accordata la Neutralitá, conoscono raccolto nella Cittä un partito fomentato da Emissari, che facilmente sedurrä gl’altri, b rendera difficile et languida la difesa.“ K. k. Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Dispacci di Germania. 241.

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