Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

Gelegenheit finden, als jene, die sich durch das, auch von Napoleon nicht vorausgesehene Eingreifen der russischen Donau-Armee in die Operationen in Volhynien von selbst ergab. Zuverlässig aber hätte er die indirecte Verwendung des Reserve-Corps um so gewisser unterlassen können, als durch die gegentheilige Anordnung eine Gefährdung der Neutralität der Erblande keineswegs ausgeschlossen war. Noch prägnanter und jedes Einverständniss mit Russland aus- schliessend, zeigt sich die Vertragstreue Haltung des Kaisers in den letzten Stadien des Krieges. Nachdem er in dem Handbillete vom 21. Januar 1813 den Fürsten Schwarzenberg von der Verlegung des französischen Hauptquartieres nach Posen in Kenntniss gesetzt und über das weitere Verhalten des Auxiliar-Corps instruirt hatte, fügt er noch bei: „Auf jeden Fall finde Ich daher Ihnen aufzutragen, womit Sie umsomehr das Möglichste anwenden möchten, so bald es nur immer geschehen kann, die Gegend von Krakau zu erreichen, als es leicht möglich ist, dass von nun an die Russen mit ihren Forderungen gegen Sie in eben dem Masse anmassender werden dürften, in welchem erneuerte Unfälle die letzten Reste der französischen Armee getroffen haben dürften. Ebenso ist es möglich, dass Ihnen die Russen, da seihen nunmehr nicht nur die obere, sondern auch die untere Weichsel offen steht, auf Ihrem Rückzuge leicht Vorkommen und Sie dadurch entweder zu Gefechten oder zur Einschlagung eines anderen Rück­zuges, als jenen gegen die Grenze Galiziens, mit welchem der König von Neapel ganz einverstanden war, zwingen könnten, welches Sie auf das Sorgfältigste zu vermeiden suchen müssen.“ Die Besorgniss, welche aus diesen Worten hervorleuchtet, lässt sich doch sicher nicht mit einem vorhanden gewesenen Einverständnisse mit dem Gegner vereinen; sie documentirt vielmehr auf das Bestimmteste, dass der Kriegszustand bis zum Ende aufrecht blieb, und dass die Operationen des Fürsten Schwarzenberg auch zu jener Zeit in Über­einstimmung mit dem französischen Hauptquartiere standen. Von vorzeitigen Unterhandlungen kann also keine Rede sein und selbst als solche in Wirklichkeit gepflogen wurden, verhielt sich Kaiser Franz vollkommen loyal und trug noch am 16. Januar 1813 dem Fürsten Schwarzenberg auf, nichts unversucht zu lassen, damit auch General Reynier und dessen Corps in den Waffenstillstand einbezogen werde '). Allerdings hielt Kaiser Franz anderseits mit Festigkeit daran, dass seine Truppen nicht über die Grenzen des Vertrages hinaus verwendet und in den Abgrund mitgerissen würden, zu dem der französische Optimismus die Reste der „grossen Armee“ unaufhaltsam drängte. Fürst Schwarzenberg hatte die gemessensten Befehle, jede französische Anordnung, die dem Auxiliar-Corps eine andere Stellung ’) Handbillet. Worliker Archiv.

Next

/
Thumbnails
Contents