Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

oder Aufgabe, als am rechten Flügel und die Deckung desselben zuweisen würde, mit Hinweis auf die nothwendige Sicherung der galizischen Grenze, abzulehnen'); und am 6. Januar 1813 befiehlt der Kaiser dem Fürsten, Alles aufzubieten, dass das wiederholt gestellte Ansinnen: mit dem Auxiliar-Corps die Sicherung von Warschau, Praga und Módiin zu übernehmen, nicht zur Durchführung gelange. Wer wird aber bestreiten wollen, dass ein solches Beharren nicht allein durch den Vertrag gerechtfertigt, sondern auch durch Rücksichten für den eigenen Staat und die kaiserliche Wehrmacht unabweisbar geboten war! In dem Vorstehenden dürfte es gelungen sein, ein Bild der Ver­hältnisse während des Feldzuges der Österreicher im Jahre 1812 zu entwerfen, welches der Vollständigkeit nahe kommt; sicher aber sind hiemit der vorurtheilslosen Kritik die Anhaltspunkte gegeben, das Wirken des Auxiliar-Corps und seines Führers unbefangener und damit zugleich auch richtiger zu beurtheilen, wie bisher. Der Feldzug von 1812, insoweit er Österreich betrifft, bietet ein ebenso lehrreiches als hochinteressantes Beispiel einer im Abhängigkeits-Verhältnisse von einer grossen Armee auszuführenden Nebenoperation. Die Persönlich­keit Napoleon’s, die erzwungene Allianz, die militärisch exponirte Lage, mussten nebst den ungünstigen Terrain- und Verpflegsver- hältnissen und dem mörderischen Klima umsomehr die Ausführung der Aufgabe erschweren, als man an massgebender Stelle den Umfang der­selben ebensosehr unterschätzte, als die Qualität des Gegners. Unge­achtet dessen löste das Auxiliar-Corps, Dank der geistvollen Energie des Führers und der opferwilligen Ausdauer der Truppen, das ihm gestellte Problem bis zu den äussersten Grenzen der Möglichkeit. Als die „grosse Armee“, durch unerhörte Schicksalsschläge zerschellt, in Auflösung der Weichsel zueilte, stand nur noch das Auxiliar-Corps und das mit ihm vereinigte französische VII. Corps als geschlossener, widerstandsfähiger Körper jenseits des Bug, den es erst verlies3, als die Gefahr für den eigenen Rückzug schon imminent geworden war, 16 Tage nachdem die französische Armee das russische Gebiet geräumt hatte. Bis zum letzten Momente erfüllte es aussichtslos, aber treu die Pflicht des Alliirten, zuletzt an dem sächsischen Corps, welches durch die Ver­blendung seines Führers gleichwohl dem Verderben anheimfiel. Die Opfer an Menschen, welche dieser Krieg von Österreich forderte, lassen sich nur annähernd bestimmen, da eine geregelte Verlust-Statistik damals erst in den Anfängen bestand. Da aber die vorhandenen Verlustlisten für einen Theil der Gefechte in dem Zeit­räume vom 8. August bis 18. November, die Ziffer von 84 Officieren und 6227 Mann ausweison, so kann man den Gesammtverlust ohne Übertreibung mit 7000 Mann annehmen. Nebst diesem betrug aber der ') Handbillet vom 20. December 1812. Worlik.

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