Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

Corps schon vom Anfänge an befand. Wo bei der obersten Kriegs­leitung Ansichten vorherrschten, die im directen Widerspruche mit •den thatsächlichen Verhältnisssen standen, musste es dem ausführenden Organe allerdings unmöglich sein, Anforderungen gerecht zu werden, die auf ganz irrthümliche Voraussetzungen hin gestellt wurden. Während Fürst Schwarzenberg einer compacten Masse von 46.000 Mann und 164 Geschützen gegenüber stand, die sich auf die heranmarschirende Donau-Armee stützte und überdies auch durch das Terrain ungemein begünstigt war, zweifelte man im französischen Hauptquartiere überhaupt an der Gegenwart russischer Truppen in Volhynien und drängte Schwarzenberg unablässig, durch rasches Vorgehen den Krieg voll­ständig in dieses Gebiet zu verlegen. Bekanntlich setzten die Verhältnisse am Styr dem Vordringen des Auxiliar-Corps eine unübersteigliche Grenze, und von eben diesem Zeitpunkte an begann im französischen Hauptquartiere jene Unzu­friedenheit mit der Kriegführung Schwarzenberg’s, die eine spätere Kritik in der Bezeichnung „unentschieden“ zusammenfasst. In dem Nachfolgenden soll der Ungrund von derlei Beschuldigungen an der Hand des authentischen Acten-Materiales nachgewiesen werden; wenn hiebei vornehmlich die Schriften des Fürsten Schwarzenberg benützt werden, so dürfte dies wohl kaum den Vorwurf der Einseitigkeit oder Parteilichkeit begründen. Hier handelt es sich in erster Linie darum, die Verhältnisse so darzustelllen, wie sich selbe dem Commandanten als Motive seines Handelns zeigten, und darum ist es auch nur billig, dass er selbst das Wort zu seiner Vertheidigung führe. Dass im französischen Hauptquartiere ganz verschiedene und fast durchaus unrichtige Ansichten herrschten, wurde bereits gezeigt und wird auch des Ferneren erwiesen werden; aber auch der Epigone kann zu keinem positiven Urtheile gelangen, wenn er seine heutige Kenntniss der Dinge und nicht die damalige Situation zur Basis seiner Schlüsse nimmt. Der Stillstand der Operationen am Styr hatte nicht nur im Haupt­quartiere Napoleon’s einen ungünstigen Eindruck hervorgebracht. Die raschen Erfolge der grossen Armee Hessen auch das Vordringen Schwarzenberg’s als eine so selbstverständliche Sache erscheinen, dass- man sich selbst in Österreich das Ausbleiben der schon gewohnten Berichte über das continuirliche Vorrücken des Auxiliar-Corps, nicht anders, als durch ein ernstes Kriegsunglück der kaiserlichen Truppen erklären zu können vermeinte. Zu seinem Erstaunen erfuhr endlich Fürst Schwarzenberg, „dass übelgesinnte oder übelunterrichtete Menschen die übertriebensten und besorglichsten Gerüchte über das Schicksal des unterstehenden Auxiliar-Corps ausstreuten und im Publicum verbreiteten“, was ihn veranlasste, in einem Berichte an den comman- direnden General in Galizien, FZM. Prinzen Keuss, ausführlich die Motive t)4 1812. Kriegsgeschichtl. Studie über die Theilnahme des k. k. österr. Auxiliar-Corps

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