Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

unter Commando d. Fürsten Schwarzenberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland. 65 seines Handelns zu entwickeln. Der Hauptsache nach wurden dieselben, insoweit es den Rückzug vom Styr anbelangt, bereits angegeben (Seite 26). Nachdem sich Fürst Schwarzenberg von der Überlegenheit des Gegners überzeugt hatte, und über dessen Absicht, auf die Flanke und die Operationslinie der grossen Armee zu wirken, kein Zweifel mehr sein konnte, war auch die Aufgabe des Auxiliar-Corps klar bestimmt. Fürst Schwarzenberg musste, ohne sein Corps den ungünstigen Chancen einer Schlacht auszusetzen, trachten, die gesammte Macht des Gegners an sich zu fesseln, um ihn dadurch möglichst lange von seinem Vor­haben gegen die grosse Armee abzuhalten. Durch den Rückmarsch an die Turya, die Aufstelluug und das Treffen bei Ljuboml, endlich durch den doppelten Uferwechsel bei Wlodawa und Brest-Litowski war diese äusserst schwierige Aufgabe auf die glücklichste Weise gelöst. Der Rückmarsch wurde vollkommen geordnet, ohne Verlust „auch nur eines Karrens“ ausgeführt. An der Muchawec angelangt, wo der Gegner durch volle acht Tage aufgehalten wurde, konnte sich Fürst Schwarzenberg überzeugen, dass er noch immer die Gesammtmacht Tschitschagofs vor sich habe. Durch eine Reihe ebenso schwieriger als präciser Manöver, wich er auch hier dem vom Gegner vorbereiteten entscheidenden Schlage aus, indem er in vollster Ordnung die Lyzna übersetzte und die Versuche Tschitschagof’s, diesen Fluss zu forciren, blutig zurückwies. Nun aber wurde in Folge der geänderten Terrainbeschaffenheit und der an und für sich ungünstigen Stärkeverhältnisse, die militärische Situation eine so wesentlich andere, dass sie nicht ohne Einfluss auf die Operationen bleiben konnte. Der fühlbarste Nachtheil, gegen den Fürst Schwarzenberg bei allen seinen Unternehmungen anzukämpfen hatte, war das Missverhältniss der Stärke der beiderseitigen Reiterei. Während das Auxiliar-Corps — mit Ausnahme der bei General-Major Mohr befindlichen vier Escadronen — nur über 4000, das VII. Corps (Sachsen) aber nur Uber 1000 dienstbare Pferde verfügte, bestand die reguläre Reiterei Tschitschagof s aus 24 Regimentern. Allerdings waren auch diese nicht complet, aber dieser Mangel wurde durch die zahl­reiche irreguläre Reiterei mehr als ausgeglichen. Der Feind war durch sie in der Lage, ganze Pulks Irregulärer auf unsere Vorposten zu werfen und diese dadurch zu zwingen, beständig zu Pferde zu sitzen, während die russische reguläre Cavallerie indessen geschont wurde und daher im entscheidenden Momente nicht nur an Zahl, sondern auch an Kraft überlegen auftreten konnte. In nicht günstigerem Verhältnisse waren die übrigen Waffen. Beim Auxiliar-Corps fehlten am 21. 0ctober 12.000 Mann und 800 Pferde vom Gefechtsstande; in Folge der fortwährenden Anstrengungen und der nun schon rauhen Witterung mit sehr kalten Nächten, gegen welche die Truppen mit ihrer mangelhaften Bemontirung in den Biwaks keinen Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs. 1884. 5

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