Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

unter Commando d. Fürsten Schwarzenberg im Feldzüge Napoleon I. gegen Russland. Q ^ auf die es sich stützt. Auch ohne eingehender Kritik des Kriegsplanes Napoleon’s für den Feldzug von 1812 ist doch die Behauptung berech­tigt, dass der strategische Calcül in diesem Falle nicht die gewohnte Vollkommenheit jener der früheren Kriege erreichte. Es ist bekannt, dass Napoleon sich auf Voraussetzungen stützte, die nicht durchaus zutreffend waren, und daher in ihren Consequenzen sich nur zu oft als eben so viele Irrthümer erwiesen. In erster Reihe zählt hiezu die Annahme, dass Russland in Folge seines Krieges mit der Türkei einen bedeutenden Theil seiner Kampfmittel nicht gegen Westen werde ver­wenden können; ferner, dass die Pforte, durch die Kriegserklärung Frankreichs ermuthigt, den Krieg mit erhöhter Energie fortsetzen und allen Friedensversuchen von Seite Russlands unzugänglich bleiben werde. Diese Voraussetzung, welche schon in den allerersten Stadien des Krieges sich in das gerade Gegentheil verkehrte, war gleichwohl eine der Hauptstützen des Angriffsplanes Napoleon’s, der in Folge dessen dem rechten Flügel seiner strategischen Front eine weit geringere Aufmerksamkeit zuwendete, als er in Wirklichkeit beanspruchte. Es ist Thatsache, dass Napoleon der Ansicht war, auf diesem Theile des Kriegsschauplatzes mit nicht nur relativ geringen Mitteln das Aus­langen zu finden, und dass er hoffte, durch absichtlich verbreitete falsche Nachrichten über die Stärke seines rechten Flügels, dem Gegner zu imponiren. Dies äusserte sich zunächst in dem Bestreben, die Betheiligung Österreichs an dem Kriege weit grösser erscheinen zu lassen, als sie wirklich war, um dadurch Russland um seinen linken Flügel besorgt zu machen und dasselbe über die Hauptangriffs­richtung der Verbündeten irrezuführen. Noch vor dem Ausmarsche des Auxiliar-Corps aus Galizien, in den ersten Tagen des Juni, brachte Oberst Flahault den Befehl Napoleon’s nach Lemberg, dass das österreichische Corps den Namen „I. österreichisches Corps d’armee“ anzunehmen habe, um dadurch auf das Vorhandensein deren mehrerer schliessen zu machen. Ferners sollte die Nachricht verbreitet werden, dass nächstens 100.000 Mann französischer Truppen sich mit den österreichischen vereinigen und in Volhyiiien und Podölien Vordringen würden; endlich sollte auch der commandirende General in Siebenbürgen, FML. Baron Stipsicz, auf­gefordert werden, von dort aus ähnliche Gerüchte in Umlauf zu setzen. Fürst Schwarzenberg berichtete hierüber an Kaiser Franz, dass er die anbefohlene Benennung des Corps mit dem Vorbehalte angenommen habe, dieselbe später, wenn die dermal bestehenden Gründe nicht mehr vorhanden sein würden, wieder in jene eines „kaiserlich-öster­reichischen Auxiliar-Corps“ umzuändern, und dass er auch den Befehl hinsichtlich der Ausstreuung falscher Nachrichten insoweit befolgte, „dass es gerade hinlänglich war, um zwar die Aufmerksamkeit der

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