Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

Russen zu erwecken, ohne jedoch Gefahr zu laufen, sie dergestalt zu reizen, dass sie sich zu einem übereilten Schritte etwa entschliessen sollten“. Obwohl nun diese Demonstrationen weder hinderten, dass Bagration, der damals sein Hauptquartier in Luck hatte, mit der II. Armee aus Volliynien nordwärts abzog, noch auch auf das Verhalten der russischen Donau-Armee den mindesten Einfluss ausübten, somit ihren Zweck gar nicht erfüllten, blieb Napoleon auch ferner unentwegt bei seiner einmal gefassten Ansicht über die Verhältnisse auf seinem rechten Flügel. Der Friede von Bukurest, obwohl derselbe die Situation gründlich änderte, wurde beharrlich ignorirt und sowohl der Herzog von Bassano, als auch der Prinz von Neufchätel erwiderten auf die wiederholten Berichte Schwarzenberg’s, dass sie von dem französischen Gesandten General Andréossy hievon noch keine Nachricht hätten, dieser sie sogar des Gegentheiles versichere '). Als endlich aber die Kunde von dem Bukurester Frieden schon aller Welt bekannt war und man sich unmöglich der Thatsache ver- schliessen konnte, dass nunmehr die russische Donau-Armee frei geworden sei, wurde die Möglichkeit bestritten, dass sich Tschitschagof mit Tormasof vereinigen würde. Man suchte zu beweisen, dass sich Ersterer nothwendig an den Dnjepr ziehen müsse, ja es schien dem Herzoge von Bassano nach allen ihm zugekommenen Berichten (d’aprés tout les rapports qui me parviennent) so gut wie gewiss, dass beide russische Generale Volhynien räumen würden. Dabei machte man sich die unrichtigsten Vorstellungen von der Stärke der beiden russischen Corps, von welchen jenes Tormasofs nur als ein Haufe unverlässlichen Gesindels geschildert wurde, und war vollkommen überzeugt, dass Schwarzenberg allen beiden mit Leichtigkeit die Spitze bieten könne. „II est peu vraisemblable“ — schreibt der Herzog von Bassano — „que l’armée du Danube, quelque faible qu’elle soit, ne paroisse pas plus utile en Russie, qu’en Volhynie .... Le cas arrivant, oü les divisions russes du Danube réunis ä Tormassow marchent sur Vous, Vous Vous sentirez assez fort pour résister ä cette armee.“ Unglücklicherweise spielte der Zufall den Franzosen einen Bericht Tormasof’s über die Schlacht von Poddubie in die Hände, der sie in der vorgefassten Meinung über die Inferiorität der Kräfte des russischen linken Flügels noch mehr bestärkte. Tormasof, offenbar 62 1812. Kriegsgeschiclitl. Studie über dieTheilnahme des k. k. österr. Auxiliar-Corps ') Bekanntlich wurde der Friede Russlands mit der Pforte am 16. (28.) Mai zu Bukurest geschlossen; Fürst Schwarzenberg hatte die Nachricht hievon unmittelbar darauf durch das Siebenbürger General-Commando erhalten und sie schon Anfangs Juni dem General Reyni'.r mit dem Ersuchen uotificirt, einen Officier mit der Meldung hievon ungesäumt an Napoleon zu senden, „da er glaube, dass der Kaiser auf diese Art früher zur Kenntniss des Friedens gelangen werde, als durch den Courier aus Bukurest, der seinen Weg wahrscheinlich über Hermannstadt und Wien nehmen werdeu.

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