Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

(30 1812. Kriegsgescliiehtl. Studie über die Tlieilnalime des k. k. österr. Auxiliar-Corpi eine Reihe ungeahnter Erfolge den Weg zum Ziele zu bahnen schien, Hessen das österreichische Auxiliär-Corps vom Anfänge an sowohl den Zeitgenossen, als auch den Epigonen gegenüber, in einem mehr unter­geordneten Lichte erscheinen; von da aus war aber nur mehr ein Schritt bis zu der Behauptung, die ganze Mitwirkung Österreichs an den Ereig­nissen von 1812, habe sich auf eine „militärische Promenade“ des Auxiliar-Corps beschränkt. Sagt doch selbst Metternich in seiner Auto­biographie (Seite 129): „Dem Fürsten Schwarzenberg, dessen Corps durch das sächsische Contingent verstärkt war, kam im Verlaufe des Feldzuges selbst kein Befehl Napoleon’s zu. Es erlitt sonach keine bemerkens- werthen Verluste.“ Ohne die Übereinstimmung der Prämisse mit den Thatsachen, oder die logische Richtigkeit des Schlusses einer schärferen Prüfung zu unterziehen, soll hier nur im Allgemeinen darauf hin­gewiesen werden, dass das Auxiliar-Corps während sechs Monaten in 64 Affairen, worunter eine Schlacht und ein grösseres Treffen, mit dem Gegner in ernste Berührung kam und sich der Verlust vor dem Feinde, allein nur in der Zeit vom 8. bis 13. August, auf 1319 Mann und 269 Pferde belief. In Folge der ausserordentlichen Anstrengungen waren schon am 22. August 4414 Mann und 505 Pferde undienstbar, welcher Abgang sich bis 31. October auf 12.000 Mann und 800 Pferde erhöhte. Diese exorbitante Verlustziffer, noch während der für die Operationen verhältnissmässig günstigsten Jahreszeit, dürfte an und für sich die Leistungen des Auxiliar-Corps in ein ganz anderes Licht stellen, als dies bisher der Fall war, wenn nicht schon die gedrängte Darstellung der Operationen am Eingänge dieser Studie, hiefür mehr als ausreichende Anhaltspunkte bieten würde. Wie nebensächlich das Auxiliar-Corps aber hinsichtlich seiner Thätigkeit behandelt wurde, so lange die Adler Napoleon’s siegreich den französischen Colonnen voranzogen, so änderte sich dies doch mit jähem Umschwünge, als die Katastrophe von Moskau einen bisher unerhörten Erfolg in sein Gegen- theil verkehrte. Demselben Auxiliar-Corps, dessen Wirksamkeit bis dahin weder beachtet, noch gewürdigt wurde, wird nun ein massgebender Einfluss auf die Rückzugs-Operationen der grossen Armee gleichsam aufgedrungen, und nicht blos ausländische Autoren sind es, die in ihren Schriften die Kriegführung Sehwarzenberg’s als eine „unent­schlossene“ kritisiren und denselben für das Unglück der Franzosen an der Beresina fast ausschliesslich verantwortlich machen. Der Nimbus der Unfehlbarkeit, der den grossen Kriegsmeister umgab und nicht selten auch jetzt noch umgibt, die ungenügende Kenntniss der Original-Acten und trügerische Folgerungen, wie sie häufig aus einer glitzernden Zahlenstatistik abgeleitet werden, dies und noch manch’ andere, mehr oder minder entschuldbare Vorein­genommenheiten konnten allerdings zu einem solchen Urtheile führen, welches jedoch ebensowenig unbedingt stichhältig ist, als die Gründe,

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