Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

diesem neuen Kampfe, den der Staat von uns fordert, werden wir jene Nationaltugend mit neuen Thaten, mit Männersinn und festem Vertrauen auf unseren Monarchen bewähren, der wahres Verdienst nicht unbelohnt lassen wird. Se. Majestät bei jeder Gelegenheit hierauf aufmerksam zu machen, soll stets meine angenehmste Pflicht sein. Ich lebe in der Überzeugung, den Feldzug mit Männern zu beginnen, denen das militärische Ehrgefühl als höchste Pflicht erscheint, die auch in diesem Kriege alles aufbieten werden, um den Endzweck ihres Monarchen zu erfüllen und so den alten Ruhm der österreichischen Fahnen in seinem vollen Glanze zu erhalten.“ Die Ausdauer und Hingebung, mit der das Corps alle Leiden und Anstrengungen eines Feldzuges trug, der in dieser Hinsicht seines­gleichen sucht, zeugt dafür, dass der Appell des Commandanten an die bewährten Soldatentugenden der österreichischen Armee, kein vergeblicher war. Gleichwohl aber Hess er die innere Stimmung unver­ändert; es ist bemerkenswerth, wie in einer Zeit, wo fast Niemand an dem Erfolge der Coalition Europa’s gegen Russland zu zweifeln wagte, sich der Pessimismus in dieser Beziehung in der österreichischen Armee, trotz der Siege Napoleon’s, ungeschwächt erhielt und zum Ausdrucke kam, wo Zeit und Umstände es gestatteten. Als der französische Commissär zu Lemberg, Ende September seine Antritts­besuche machte und sich gegen FML. Mayer von Heldensfeld der Siege Napoleon’s rühmte, erwiderte jener: „Mon eher, je ne suis pas en état de juger les grands talens militaires et universels de votre Empereur, mais je vous dis franchement, que ce n’est pas comme 9a qu’on doit faire la guerre ä la Russie, et je vous dis que votre Empereur payera encore eher, tot ou tárd, cette rapidité des victoires sur ce chemin de sa gloire“ *). Dem Fürsten Schwarzenberg war diese Stimmung im Corps ■wohl bekannt. In seinem Berichte an den Kaiser vom 4. Juni sprach er die Überzeugung aus, dass, obwohl der Krieg nicht populär sei, doch Jeder zuverlässig seine Schuldigkeit thun werde, fügte aber noch bei: „Doch wird es Eurer Majestät Allerhöchster Weisheit nicht entgehen, wie gefährlich es wäre, bei dieser Stimmung, mit jenen in den bisherigen Kriegen gewöhnlich stattgehabten Aufmunterungen zu geizen; darum unterfange ich mich, Eure Majestät um das Beste des Allerhöchsten Dienstes wollen auf das Flehentlichste zu bitten, das Avancement der zum Ersatz jener vor dem Feinde bleibenden Officiere, bis zum Obersten exclusive, auf der Stelle veranlassen zu dürfen.“ Im Zusammenhänge mit dieser Bitte und den Geist charakterisirend, der im Auxiliar-Corps massgebend war, steht es auch, dass Fürst Schwarzenberg den Antrag Napoleon’s, Denjenigen Belohnungen zu 56 1812. Kriegsgesehichtl. Studie über die Theilnahme des k. k. österr. Auxiliar-Corps *) Kriegs-Archiv; Fase. XIII, 11.

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