Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

ertlieilen, die ihm der Fürst Vorschlägen werde, mit dem Bemerken ablehnte, dass unser Monarch die Verdienste seiner Armee nie unbelohnt lasse. Der grossherzige Sinn Franz I. rechtfertigte diesen würdevollen Aussprach in umfassendster Weise; er bewilligte nicht nur die Bitte hinsichtlich des Avancements, sondern ermächtigte auch den Fürsten, eventuell das Ritterkreuz des militärischen Maria-Theresien-Ordens selbständig zu verleihen. Die ausgezeichnete Haltung des ganzen Corps gab seinem Commandanten wiederholt Gelegenheit, von dieser kaiserlichen Prärogative Gebrauch zu machen. Je weniger hiebei eine spontane Begeisterung für die Sache selbst in Betracht gezogen werden kann, desto höher ist der vorzügliche Geist anzuschlagen, der Officiere und Truppen belebte und es ihnen ermöglichte, nur dem Pflichtgefühle folgend, die unsäglichen Beschwerden dieses Krieges zu überwinden. Nicht minder interessant, und retrospectiv auch lehrreich, sind die taktischen Vorschriften, welche Fürst Schwarzenberg den Truppen noch vor Beginn der Feindseligkeiten hinausgab, und die hier die allgemeine Charakteristik des Auxiliar-Corps abschliessen sollen: „Wir finden nun vielleicht bald Gelegenheit, au den Feind zu kommen und den Ruhm, der unsere Fahnen nie verhess, neu zu begründen. Es wäre überflüssig, Truppen an ihre Pflicht zu erinnern, die so oft Proben ihrer Treue und ihrer Tapferkeit gegeben haben. Ich glaube nur denen Herren Generalen Einiges in’s Gedächtniss zurückführen zu dürfen, welches ihrer Aufmerksamkeit in den früheren Feldzügen nicht entgangen sein wird.“ „Nur zu oft sehen wir die Infanterie und die dabei einge- theilte Artillerie in einem nutzlosen Feuern verharren, welches am Ende nur ihr selbst schädlich wurde. Vieles Feuern und zu früh feuern ist nicht immer Beweis eines hervorstechenden Muthes. Der entschlossene Soldat erwartet den Feind, bis er ihn erreichen kann, und lässt ihn erst dann die volle Kraft seines Gewehres fühlen, wenn er sicher ist, ihn fast nicht mehr fehlen zu können.“ „Bataillons in Plänkler aufzulösen, wäre nicht nur fehlerhaft, sondern strafbar. Im offenen Felde sind 20 bis 30 Plänkler hinlänglich, die feindlichen Schützen von der Front des Bataillons oder der Masse desselben entfernt zu halten. In coupirtem Terrain können sie bis auf ein Drittheil der ganzen Trappe vermehrt werden, aber nie dürfen sie dieses Drittheil übersteigen; die andern zwei Drittheile müssen, nach Beschaffenheit des Bodens, in eine oder mehrere Reserven abgetheilt, geschlossen folgen.“ „Wird der Feind geworfen, es sei in der Ebene durch die Cavallerie, oder im coupirten Terrain durch Infanterie, so soll er nie mit der ganzen Truppe, sondern ebenfalls nur mit dem Drittel oder unter Commando d, Fürsten Schwarzenberg im Feldznge Napoleon I. gegen Russland. 5 7

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