Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

Das Vorrücken der Russen und die grosse Entfernung, die das Auxiliar-Corps von dem nächsten französischen Armeetheile, dem Corps des Marschalls Macdonald, trennte, der sich Königsberg näherte, veranlassten den Fürsten Schwarzenberg gegen die Weichsel zu rücken. Er beabsichtigte, dort mit dem Auxiliar-Corps eine Stellung zwischen der Narew und dem Bug zu nehmen, um mindestens die Verbindung mit dem VII. Corps nicht zu verlieren, welches sich vor der Übermacht des Gegners von Wolczin gegen Warschau bewegte. Am 25. December, also 14 Tage, nachdem die französischen Truppen das russische Gebiet geräumt hatten, brach das Auxiliar-Corps von Bjelostok auf und bezog Cantonnirungen bei Pultusk, während das Hauptquartier des VII. Corps am 3. Januar 1813 in Okuniew etablirt wurde. Die beiden Corps waren in ihren neuen Stellungen, die sich von Ostrolenka über Brok und Wegrow bis unterhalb Warschau erstreckten und durch grosse Waldungen gedeckt waren, vollkommen in der Lage, sowohl Warschau und Módiin zu decken, als auch sonst sich nach Massgabe der Verhältnisse zu benehmen. Jene bei Pultusk, dem Vereinigungspunkte vieler Communicationen, und verstärkt durch das verschanzte Lager bei Praga, die neue Festung Módiin und andere Fortificationen, verlor nur dadurch an Werth, dass die allenthalben gefrorenen Gewässer den Charakter von Annäherungs-Hindernissen ein- gebüsst hatten und daher zur nachhaltigen Verteidigung eine grössere Truppenstärke erforderten, als eben zur Verfügung stand. Der Gegner würdigte aixch vollkommen die Bedeutung dieser Position, welche jede solide Operation über die Weichsel hinaus unmöglich machte. Die russische Armee hielt momentan in ihrem Vormarsche inne, nur Kosakenschwärme hefteten sich den Franzosen an die Fersen und trieben sie über die Weichsel, während der Feind den kaiserlichen Truppen gegenüber den Weg der Unterhand­lungen betrat. Am 6. Januar übergab der russische Staatsrath Anstatt dem Fürsten Schwarzenberg ein Schreiben Kaiser Alexanders an Franz I. und proponirte einen Waffenstillstand, unter der Bedingung, dass das Auxiliar-Corps sich von den Franzosen trenne, über die Weichsel gehe und den Russen Warschau übergebe, wogegen diese ganz Westgalizien an Österreich überlassen würden. Fürst Schwarzenberg hatte einerseits für eine solche Eventualität keine Instructionen, anderseits stritt es gegen die Anschauungen des österreichischen Soldaten, der es für unrühmlich erachtete, den Alliirten, wie wenig Sympathie man ihm auch entgegenbrachte, im Momente des Unglückes früher zu verlassen, als es das Staatsinteresse und der Wille des Monarchen unbedingt forderten. Die Verhandlungen führten daher nur zu dem Resultate, dass bis zum Eintreffen der Weisungen aus Wien beide Theile die Feindseligkeiten einstellten und dies 36 1812. Kriegsgeschichtl. Studie über die Theilnalime des k. k. österr. Auxiliar-Corps

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