Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

unter Commando d. Fürsten Schwarzenberg im Feldzuge Napoleon!, gegen Russland. 37 auch auf die nächsten, an die österreichische Stellung anstossenden französischen Corps ausgedehnt wurde, indem es Fürst Schwarzenberg für eine Pflicht der Ehre erklärte, diese letzteren, bei jedem Angriffe auf sie, mit Waffengewalt zu unterstützen. Auf diese Art blieb das austro-sächsische Corps bis in die zweite Hälfte des Januar ruhig in ihren Stellungen hinter dem Bug und der Narew, um welche Zeit die russische Armee ihre Vorrückung wieder aufnahm. Kutusof, mit drei Armee-Corps, überschritt bei Grodno und Merecz den Niemen und wandte sich gegen den linken Flügel des Auxiliar-Corps; der linke Flügel der Hauptarmee, vier Divisionen stark, ging gegen die Narew vor, während General Sacken den Bug passirte, um gegen Warschau zu operiren. Gleichfalls Mitte Januar erhielt Fürst Schwarzenberg von Wien den Befehl, im Falle eines unvermeidlichen Rückzuges die Richtung nach Krakau zu nehmen, da ungeachtet der noch zwischen Österreich und Frankreich bestehenden Allianz, vor Allem auf die eigene Sicherheit und den Schutz der eigenen Länder Bedacht genommen werden müsse. Dieser bestimmte Befehl erlaubte dem Fürsten Schwarzenberg nicht, sich ferner den Dispositionen und Operations­entwürfen des Vicekönigs von Italien zu accommodiren. Es war dies umsoweniger möglich, als diese Projecte auf ganz unberechtigt optimistischen Suppositionen basirten und in grellem Widerspruche standen mit den thatsächlichen Verhältnissen, von denen man im französischen Hauptquartiere entweder keine richtige Vorstellung hatte oder deren unerbittlicher Logik man sich absichtlich verschloss. Als daher die Russen vom 21. Januar an langsam aber stetig voi-zurücken begannen, wich das austro-sächsische Corps dem ohnehin aussichtslosen Kampfe aus und zog sich zurück, sobald die taktischen Verhältnisse dies bedingten. Mittlerweile traf ein zweiter Befehl aus Wien ein, der den Fürsten Schwarzenberg anwies, einen Waffenstillstand zu schliessen und die Truppen in die Winterquartiere in der Nähe von Krakau zu führen. Wähx’end der, in Folge der übertriebenen Forderungen des russischen Bevollmächtigten etwas weitwendigen Verhandlungen, setzten die Russen ihre Vorwärtsbewegung mit überlegenen Kräften fort umgingen den, seit dem Rückzuge der französischen Hauptarmee gänzlich entblössten linken Flügel der Österreicher und bedrohten auch die obei’e Weichsel, so dass sich Fürst Schwai-zenherg genöthigt sah, am 28. Januar theilweise hinter die Weichsel zurückzugehen. Der Waffenstillstand machte am 30. Januar den militärischen Operationen ein Ende; er bestimmte, dass das Auxiliar-Corps sich am 3. Februar vollends hinter die Weichsel zurückziehe, den 5. Warschau übergebe und den Rückzug gegen Krakau derart ausführe, dass am 13. das Gebiet des Grossherzogthums bis an die Pilica geräumt sei.

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