Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 189 Ehe jedoch diese sich in Bewegung setzte, war eine nicht unwesentliche Veränderung auf Seite des Gegners eingetreten, indem der König, welcher schon am Morgen des 16. einen Angriff der Küssen erwartet hatte, seine Stellung in Folge der Nähe dieses Gegners nach­gerade für zu sehr gefährdet hielt, um sie länger behaupten zu können, und daher das unter seinem speciellen Befehle stehende Corps nach Eintritt der Dunkelheit in südlicher Richtung abrücken und ein Lager zwischen Nicolstadt und Gross-Wandris hatte beziehen lassen. Die von den Preussen verlassenen Höhen bei Kloster Wahlstadt wurden am Morgen des 17. August von den durch einige österreichische Esca- dronen unterstützten leichten Truppen der Russen besetzt *). Die österreichische Armee erreichte am Nachmittage des 17. die Gegend von Jauer und bezog ein Lager zwischen Peterwitz und Tsehirnitz. Das Corps Brentano’s wurde auf die Höhen nordöstlich der genannten Stadt vorgeschoben. Dies bewog König Friedrich, sein Gros näher an sich zu ziehen. Dasselbe nahm am Abend zwischen Gränowitz und Dromsdorf Aufstellung. Nun war aber die Lage des Königs in der That eine sehr kritische geworden. Zwischen den beiden Armeen der Verbündeten eingekeilt, musste er jeden Augenblick auf einen Angriff gefasst sein, bei welchem er den 130.000 Mann seiner Gegner nicht viel über 50.000 Mann entgegenzusetzen hatte, und es gehörte jedenfalls be- wundernswerthe Kühnheit dazu, unter solchen Verhältnissen auszu­harren. Beinahe noch mehr Glück war aber dazu nothwendig, dass diese Kühnheit nicht zum Verderben führte; denn wenn Buturlin in diesen Tagen sich, wenn auch nur in der von Laudon vorgeschlagenen Weise, zum Angriffe bewegen liess, wie er sich ja auch zum Oder- Übergange hatte bewegen lassen, so war es um den König wahr­scheinlich geschehen. Dass es nicht dazu kam, dafür wird man Laudon gewiss nicht anzuklagen haben. Unter solchen Umständen verging auch der 18. August. Indess drängte Laudon, welcher sich an diesem Tage neuerdings in’s russische Hauptquartier begeben hatte, zu einer Entscheidung, und da Feldmarschall Buturlin zum Angriffe nicht zu bewegen war, so wurde Alles angewendet, um denselben zum Marsche nach Jauer zu vermögen, welcher als letztes Mittel zur Vereinigung übrig blieb. Aber trotz aller Bitten und Vorstellungen konnte der Feldzeugmeister eine bestimmte Zusage nicht erlangen 2). Um so merkwürdiger ist es, dass sich Buturlin wenige Stunden später, vielleicht auf das Zureden Fermor’s, welchen Laudon darum angegangen hatte, sich in’s Mittel zu legen, wirklich entschloss, in der Nacht auf den 19. durch einen *) *) Bericht Fine’s vom 17. August. 2) Bericht Laucloii’s vom 21. August. 13

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