Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
162 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. des letzten Kriegsrathes, denn durch die hiemit ausgesprochene Forderung wurden für Laudon’s eventuellen Marsch an die Oder Verhältnisse geschaffen, die dem Zwecke der ganzen Operation, nämlich vereint zu schlagen, direct entgegenwirken mussten. Wie es scheint, erst nach Absendung dieses Schreibens, trat am selben Tage der Kriegsrath nochmals zusammen und man beschloss am 25. noch einen weiteren Proviant-Transport abzuwarten, wodurch die Verpflegung des Gros bis zum 10. August, jene des Corps Czernitschew bis 23. August gesichert wurde '), am folgenden Tage aber den Marsch gegen Namslau fortzusetzen und von da die Richtung auf Oppeln einzuschlagen. Die leichten Truppen sollten einstweilen über Öls gegen Breslau streifen. In der That setzte sich die russische Armee am 26. nach sechstägigem Stillstände wieder in Bewegung, und es erreichte das Corps Czernitschew Bernstadt, das Gros an diesem Tage Reesewitz, am folgenden Tage, dem 27. Juli, Namslau, woselbst — wie hier, der späteren Darstellung vorgreifend, bemerkt werden mag — auch der österreichische Oberst Graf Barco, der mit einem Cavallerie-Detachement bis Strehlitz gelangt war, eintraf und dadurch die Verbindung zwischen den beiden Armeen der Verbündeten herstellte. Bis hieher war Buturlin bei seiner Absicht, an die Oder vorzurücken, geblieben, wie ein ferneres Schreiben desselben an Laudon vom 27. Juli2) beweist. Diese ganze Zeit über standen den Russen immer nur die beiden Corps Zieten und Knobloch gegenüber, von welchen ersteres (mit 21.) aus 11 Bataillonen, 30 Escadronen, letzteres, nachdem die Besatzungen von Brieg und Breslau durch 1, beziehungsweise 2 Bataillone verstärkt, 10 Escadronen an das Gros der Armee und 4 Escadronen an Zieten abgegeben worden waren, aus 10 Bataillonen, 7 Escadronen bestand. Hinsichtlich der russischen Bewegungen mangelhaft orientirt, zogen diese beiden Corps am linken Oder-Ufer zwischen Breslau und Löwen auf und ab, um sich dem erwarteten Übergange des Feindes zu widersetzen. Am 27. spéciéit befand sich Knobloch, nachdem er die an die Besatzung abgegebenen 2 Bataillone an sich gezogen hatte, mit 12 Bataillonen wieder hei Breslau; seine Cavallerie bei Brieg. Zieten stand seit 24. bei Michelau. Indem die russische Haupt-Armee in der vorbeschriebenen Weise langsam gegen die Oder vorrückte, veranlasste ihr Herannahen auch Laudon zur Wiederaufnahme der Operationen. Sofort nach Eintreffen der Nachricht von dem im Kriegsrathe zu Posen am 20. Juni gefassten Beschlüsse zum Marsche auf Glogau, hatte sich der Feldzeugmeister zur Heranziehung der letzten für sein Corps bestimmten Verstärkungen *) Bericht Fine’s vom 24. Juli. Kriegs-Archiv 1761; Fase. VII, 94, Acten des Laudon’sehen Corps. 2) Kriegs-Archiv 1761; Fase. VII, ad 95, Acten des Laudon’sclien Corps.