Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 161 bereitstelle und die notliwendige Vorbereitungszeit bei einer Belagerung auch Spielraum genug sichere, erstere herbeizuschaffen. Die Verpflegung, sagt Laudon, wird die russische Armee, sobald sie die Oder passirt hat, dort empfangen, wo sic steht, da die Zufuhr, für welche die Vorbereitungen getroffen sind, aus den Hauptmagazinen von Glatz, Leitomischl, Olmütz, Jägerndorf und Troppau nach jedem Orte, dem Bedarfe entsprechend, erfolgen kann. Am Schlüsse seines Schreibens erbittet sich Laudon eine entschiedene Antwort auf die Frage, ob die russische Armee bereit sei, sich, den Befehlen der Kaiserin Elisabeth gemäss, den Weg zur Vereinigung, wenn nöthig, mit Gewalt zu eröffnen. Während dieser Verhandlungen setzte die russische Armee ihren Marsch gegen Wartenberg langsam fort und traf ihr Gros über Gosciejewo, Zduny, Bresslawitz und Tscheschen daselbst am 19. Juli ein. Czernitschew erreichte am selben Tage Stradam. GFWM. Caramelli hatte, mit Laudon’s Erlaubniss, bereits am 14. das russische Hauptquartier verlassen, um sich wieder zur eigenen Armee zu begeben. Am 20. wurde zu Wartenberg wieder Kriegsrath gehalten und hiebei beschlossen, zunächst Namslau durch ein Cavallcrie-Regiment und zwei Kosaken-Pulks besetzen zu lassen und nach dem Einlangen der erwarteten Proviant-Transporte, in der Richtung auf Schurgast an die Oder zu rücken, an welchem Flusse man bis zum 3. August einzutreffen beabsichtigte. Vom 3. August ab sollte Laudon die Verpflegung für die russische Armee beischaffen. Diese letzte Anforderung scheint jedoch kaum auf Ausführbarkeit berechnet gewesen zu sein und der weitere Bericht Fine’s'), dass die Absicht bestehe, nur 20.000 Mann Uber die Oder setzen und zu Laudon stossen zu lassen, mit dem Reste der Armee aber am rechten Oder- Ufer zu operiren, ist nicht minder bezeichnend für die im russischen Hauptquartier herrschende Strömung, welche die zu erreichenden Ziele von Tag zu Tag kleiner werden liess. Man wird kaum die persönlichen Anschauungen Buturlin’s mit dieser Strömung identificiren können, wohl aber ist anzunehmen, dass der Feldmarschall sich bis zu einem gewissen Grade von derselben forttreiben liess. Noch am 24. Juli schreibt er an Laudon dass er nunmehr, nachdem das erwartete Magazin eingetroffen sei, an die Oder zu rücken und den Fluss am 1. August in der Gegend von Schurgast zu erreichen gedenke. Die hierauf folgende Frage nach den Lebensmitteln, deren die Russen für ihren Unterhalt vom 3. ab bedürften, und die nach Buturlin’s Vorstellung also jedenfalls seiner Armee an die Oder entgegenzubringen waren, spielt aber dieselbe merkwürdige Rolle, wie der bezügliche Beschluss *) Kriegs-Archiv 1761; Fase. VII, 85, Acten des Laudon’schen Corps. 2) Antwort auf das Schreiben Laudon’s vom 18. Juli. Kriegs-Archiv 1761; Fase. VII, ad 91, Acten des Laudon’schen Corps.