Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
ItiO Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. habe, sei als Stockrusse ein geschworener Feind von Allem, was deutsch sei und Deutschen einen Nutzen bringen könne; er habe die Mehrzahl der Generale auf seiner Seite. Kann es Verwunderung erregen, wenn Laudon hienach ausruft: Werden wir geschlagen, so ist von den Russen nichts mehr zu erwarten, als der Rückzug an die Weichsel; soll man unter solchen Verhältnissen eine zweifelhafte Entscheidung suchen ’)! Sah aber Laudon vielleicht zu schwarz, so muss doch mindestens zugegeben werden, dass, nachdem solche Dinge vorgekommen waren, von einer Verlässlichkeit der Russen, die Laudon allein berechtigt und verpflichtet hätte, zur Förderung des gemeinsamen Zweckes auch etwas zu wagen, nicht mehr die Rede sein konnte, und er von da an in demselben Masse auf die Sicherheit seiner Unternehmungen bedacht sein musste, mit je weniger Wahrscheinlichkeit er auf die Einhaltung der russischen Versprechungen zählen konnte. Dass unter solchen Umständen die Sache der Verbündeten überhaupt wenig Aussicht auf Erfolg hatte, ist natürlich. Indess hielt Laudon, trotz seines begreiflichen Unmuthes, der Sache zuliebe, an sich, und in der unter dem 18. Juli an Buturlin gerichteten Antwort3) beruft er sich einfach auf seine bereits unter dem 23. Juni gemachten Vorschläge, deren Ausführung jetzt, wo der Feind frühzeitig die Absicht der Verbündeten erkennen werde, allerdings schwieriger geworden sei; doch möge Buturlin immerhin von Wartenberg auf Öls vorrücken und zugleich die leichten Truppen gegen Breslau vorsenden, um den König für diese Stadt besorgt zu machen und dadurch Kräfte der Preussen an diesem Orte zu binden, damit der Übergang an einer anderen Stelle desto leichter bewerkstelligt werden könne. Die früher gegebene Zusage, unter allen Verhältnissen an die Oder vorrücken zu wollen, erneuert Laudon, jedoch in theil weise veränderter und wie nicht zu leugnen, weniger unbedingter Form. Insbesondere erklärt er, falls der König mit der Hauptkraft in seiner gegenwärtigen Stellung bei Pilzen verbliebe, vorläufig nicht weiter als bis in die Gegend von Frankenstein vorrücken zu können. Damit glaube er aus dem Grunde genug zu thun, weil durch ihn unter diesen Verhältnissen ohnedies der grösste Theil der preussi- schen Armee festgehalten werde und der geringe Rest derselben die Russen in ihrem Vormarsche an die Oder also gewiss nicht aufhalten könne. Hätte Buturlin die Oder erreicht, dann werde Laudon so manövriren, dass der König die Vereinigung zugeben oder die Österreicher angreifen müsse. Die Belagerungs-Artillerie an den Vereinigungspunkt mitzuführen, bezeichnet Laudon als überflüssig, da selbe zu Glatz *) Schreiben an Kaunitz vom 18. Juli. Kriegs-Archiv 1761; Fase. VH, 75, Acten des Laudon’sclien Corps. 2) Kriegs-Archiv 1761; Fase. ArII, 74, Acten des Laudon’sclien Corps.