Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

Dor Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 159 bereits gegen Breslau abmarscliirt, und nun sollte Czernitschew während der ferneren Bewegung der Armee mit deren Gros auf gleicher Höhe bleiben, um die rechte Flanke des letzteren zu decken. Am 11. Juli, dem 16. Tage nach dem Abmarsche Buturlin’s von Posen, traf das russische Gros, indem es die directe Linie nach Militsch verhess, bei Borek (8 Meilen [60'7km| ssö. Posen) ein. Buturlin hatte seine Entschlüsse neuerdings geändert und motivirte dies in einem Schreiben an Laudon vom 11. Juli1) damit, dass er der leichteren Verpflegung wegen seinen Weg auf Wartenberg nehmen wolle. Zugleich verlangte der Marschall von Laudon einen bestimmten Vorschlag bezüglich des Ortes der Vereinigung, sowie Auskunft darüber, wo die verlangte Belagerungs-Artillerie zu der russischen Armee stossen und die ver­sprochenen Lebensmittel für dieselbe bereitstehen würden; dies als Antwort auf Laudon’s Vorschläge vom 23. Juni und die unter dem 29. Juni und 3. Juli wiederholt gestellte Bitte des Feldzeug­meisters um Bekanntgabe der ferneren Entschlüsse, beziehungsweise des Ortes und Tages, an welchem die Russen die Oder erreichen würden. An dieser Stelle mag erwähnt werden, dass Buturlin sich einbildete, man werde unmittelbar nach der Vereinigung eine oder gar zwei Festungen nach einander belagern können. Dies erklärt die Forderung, dass ihm die Belagerungs-Artillerie schon an die Oder entgegengeführt werde. Wie begreiflich, war Laudon über den Inhalt des vorberührten Schreibens nichts weniger als erfreut. Hatte der zögernde Vormarsch Buturlin’s, sowie der Umstand, dass derselbe nicht einmal das Corps Zieten’s hatte angreifen wollen, das Misstrauen des Feldzeugmeisters neuerdings wachgerufen, so erklärt er nunmehr, dass ihm das Schreiben des Marschalls vom 11. Juli das Vertrauen in die Aufrichtigkeit der Russen fast vollkommen genommen habe, da in Folge der ganz über­flüssigen Anfrage die Zeit bis Ende Juli so gut wie verloren sei. Zudem hatte Caramelli’s Adjutant bei seinem jüngst erfolgten Eintreffen aus dem russischen Hauptquartier allerlei Nachrichten mitgebracht, welche geeignet waren, die Erwartungen, welche man österreicliischer- seits an das Eingreifen der Russen in den Gang der entscheidenden Operationen knüpfte, auf ein mehr als bescheidenes Mass zu beschränken. Von der Kaiserin Elisabeth, so hiess es, sei ein Schreiben einge­laufen, in welchem sie Buturlin die äusserste Schonung der Armee empfehle und den Wunsch ausgesprochen habe, die gesammte Armee wieder gesund in ihrem Reiche zu sehen. — Generale und Officiere der russischen Armee hätten keine Lust, die Oder zu passiren und meinten, Laudon solle vorher den König angreifen. General-Lieutenant Panin, der nebst Czernitschew den grössten Einfluss auf Buturlin ) Kriegs-Archiv 1761; Fase. VII, ad 52, Acten des Laudon’sehen Corps.

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