Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 155 zeugmeister stellte sogar, nachdem Maria Theresia es nicht für geratheil hielt, dass Laudon sich persönlich in’s russische Hauptquartier begebe, aus Ursache dieses Verhaltens bei Buturlin unter dem 23. Juni den Antrag, den vorgenannten General durch einen anderen zu ersetzen *). Dass aber Caramelli seine Befehle von nirgends anders als aus der Hand Laudons empfing, geht aus dem Rechtfertigungsschreiben des ersteren de dato 2. Juli hervor2). Russischerseits hatte man indessen dem Bevollmächtigten Laudon’s auf alle seine Vorschläge keine andere Antwort ertheilt, als dass ein, nach der Ankunft in Posen zu versammelnder Kriegsrath über die weiteren Operationen entscheiden werde. Dieser trat denn auch wirklich am 20. Juni zusammen. Hauptsächlich unter Buturlin’s Einflussnahme — die sich allerdings auch diesmal nur als das Resultat des ängstlichen Festhaltens an dem Buchstaben der erhaltenen Befehle erwies, soweit deren Ausführung kein ernstes Hinderniss entgegenstand — wurde in demselben trotz der Gegenvorstellungen Caramelli’s beschlossen, am 26. Juni aufzubrechen und vorläufig in der Richtung gegen Glogau vorzurücken, um den Feind über die ferneren Absichten der Verbündeten in Ungewissheit zu erhalten, Kräfte desselben nach dieser Richtung abzuziehen und Laudon dadurch freie Hand zu schaffen, dann aber die Vereinigung nächst Breslau nach ferner zu pflegendem Einvernehmen zu suchen 3). 4) Kriegs-Archiv 1761; Fase. VI, 64, Acten des Laudon’schen Corps. 2) Dort heisst es: „Ich bin lediglicli beflissen gewesen, mich nach dem buchstäblichen Inhalte der von Euer Excellenz (Laudon) mir gnädig ertlieilten Instruction denen von der Staats-Kanzlei Hochderoselben zugesendeten und mir gnädig communi- cirten Punkten (des russischen Operationsplanes) und endlich des von Euer Excellenz durch einen eigenen Herrn Oflicier nach Johannesberg mir nachgesendeten gnädigen Billets zu benehmen (dasselbe enthielt aller Wahrscheinlichkeit nach Weisungen wegen der damals eben in Aussicht genommenen Vereinigung der russischen Haupt-Armee mit dem bei Zittau versammelten österreichischen Corps) und in Folge dessen sowohl in meiner hierorts eingereichten Promemoria, als auch nachher übergebenen Recapitulation, die in der Gegend von Breslau zu bescheliende Conjunction zwar unstreitig als die vortheilhafteste und zu Erlangung des gemeinschaftlichen Endzweckes zuträglichste vorzustellen, anbei aber auch die bei denselben sich ergeben könnenden Hindernisse und Nachtheile, und dass hingegen die in dem zweiten, dritten und fordersamst in dem vierten Punkt angezeigten Operationen .mit mehr Sicher- und Gewissheit ausgeführt werden könnten, bemerken zu machen, und gleichwie bis zur erfolgten Ankunft des Hauptmanns v. Rohr (mit dem Schreiben Laudon’s vom 28. Juni) mir (weder) von Euer Excellenz, noch, auch von der Staats-Kanzlei andere Verhaltungsbefehle zugekommen sind, so habe mich umsomehr verpflichtet erachtet, auf diesem Fuss fortarbeiten zu sollen, als ich dadurch den wahren Sinn der oberwähnten, mir gnädig ertlieilten Instructionen in Erfüllung zu setzen geglaubt habe.“ Kriegs- Archiv 1761; Fase. VII, 14, Acten des Laudon’schen Corps. 3) Protokoll des am 20. Juni zu Posen gehaltenen Kriegsrathes. Kriegs- Archiv 1761; Fase. VI, 23e. Acten des Laudon’schen Corps. Klarer als in diesem Schriftstück treten die Vorgänge bei der Berathung aus der Einbegleitung Caramelli’s (Kriegs-Archiv 1761; Fase. VI, 63, Acten des Laudon’schen Corps) hervor, woselbst es heisst: „Es ist um so minder möglich gewesen, vorzüglich den diesseitigen Herrn Feldmarschall (Buturlin) von der zu Breslau beschehen sollenden Conjunction mit Euer Excellenz zu bringen, als sich dieser Herr darauf gegründet hat, dass der diesMittheilungcu des k. k. Kriegs-Archivs. 1H84. 11