Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

156 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. Nur einen Tag später, als die Mittheilungen hierüber an Laudon abgingen, nämlich am 23. Juni, richtete Letzterer auf Grund der Beschlüsse des russischen Hofes neue, bestimmte Vorschläge zur Aus­führung derselben an Buturlin, wodurch dieser aufgefordert wurde, geradewegs über Militsch nach Öls zu rücken, von hier aus die Ver­bindung mit Laudon, der, nach dem erwarteten Aufbruche des Königs gegen Breslau, in der Gegend von Strehlen oder Grottkau Stellung nehmen werde, über Namslau und Oppeln herzustellen und dann durch einen forcirten Marsch an die Oder bei Brieg oder Schurgast die Vereinigung zu bewerkstelligen. Falls ein Theil hiebei vom Könige, wie zweifellos zu erwarten, mit ganzer Kraft angegriffen würde, sollte der andere demselben zu Hilfe eilen — jeder Theil aber dem Angriffe unbedingt standhalten. Für den Fall, als der König Laudon gegenüber stehen bliebe, wollte dieser nach Frankenstein rücken, dem Könige einen Marsch abzugewinnen und trotz der Gegenmassregeln desselben den Übergangs­punkt der Russen zu erreichen trachten, „oder aber, und wenn der Feind sich diesem widersetzen dürfte, suchen, selbigen zu nöthigon, sich in eine Schlacht einzulassen“ '). Diese Vorschläge trafen die russische Armee bereits auf dem Marsche gegen Glogau. Den gefassten Beschlüssen gemäss am 26. Juni aus der Gegend von Posen in mehreren Colonnen aufgebrochen, war Buturlin am 27. mit der zweiten Division zu Moszyn eingetroffen. Nach einem zwei­tägigen Aufenthalte daselbst, stand er eben im Begriffe, seinen Marsch über Czempin nach Kosten fortzusetzen, wo die Armee sich am 3. Juli vereinigen sollte, als die Berichte des mit 2000 Reitern nach Schmiegel vorausgesendeten Brigadiers Lebel den Anmarsch eines stärkeren preussischen Corps unter G. d. C. v. Zieten von Glogau her meldeten. fällige Operationsplan nicht nur allein von seinem Hofe entworfen, sondern auch von der Kaiserin-Königin Majestät (Maria Theresia) und auch Selbsten von Euer Excellent (Laudon) annoch neuerlich durch den Herrn Major v. Klebeck approbiret worden wäre, die anbegehrten 20.000 Manu von seinem Hofe aber niemals anver­langet worden, es auch nicht in seiner Macht stünde, solche eigenmächtig zu deta- cliiren. Der Herr Feldmarschall hat zur Bekräftigung dessen in dem versammelten Kriegsrath uns nicht nur allein die von seinem Hofe erhaltenen Depeschen, sondern auch die diesfalls von der Kaiserin-Königin Majestät, wie nicht minder von dem Herrn Grafen von Kaunitz Excellenz an den Herrn Botschafter Grafen von Esterházy erlassenen Schreiben verlesen lassen.“ Schliesslich wird gesagt: „So ist endlich andurch, und ungeachtet aller meiner gemachten schicksamen Vorstellungen und Einwendungen, der einstimmige Schluss zum vorläufigen Marsch nach Glogau und nachheriger Conjunction bei Breslau umsomehr ausgefallen, als man annoch an­geführt hat, dass man bei Unterlassung eines von beiderseitigen kaiserlichen Höfen approbirten und gutgeheissenen Operationsplanes sich die unausbleibliche schwerste Verantwortung zuzielion würde.“ *) Kriegs-Archiv 1761; Fase. VI, 64, Acten des Laudon’schen Corps.

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