Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

Der Feldzug- 1701 in Schlesien und Sachsen. 149 Die Operationen zur Vereinigung Lau don’s mit der russischen Haupt-Armee. (Hiezu eine Übersichtskarte, Tafel IIÍ.) Bereits am 29. Mai war GFWM. Graf Caramelli, der am 19. des­selben Monats Hauptmannsdorf verlassen hatte, im russischen Haupt­quartier eingetroffen, um mit Feldmarschall Buturlin bezüglich der Art und Weise der angestrebten Vereinigung beider Armeen über­einzukommen. Er war zu diesem Zwecke mit einer besonderen Voll­macht und Instruction ') versehen worden, welche letztere näher kennen zu lernen, aus dem zweifachen Grunde nothwendig ist, um sich in dem Gange der Verhandlungen selbst orientiren zu können, und weil in diesen Weisungen Laudon’s auch die Ansichten niedergelegt sind, wie man österreichischerseits den jüngst acceptirten Operationsplan aus­zuführen dachte. Die Instruction besagt: Vor allem ist dahin zu wirken, dass die russische Armee ehestens bei Posen versammelt werde. Nachdem der Operationsplan die Ver­einigung in der Gegend von Breslau in Aussicht nimmt, muss russischerseits zunächst in der Richtung gegen Frankfurt a. d. 0. und Krossen demonstrirt werden, um die Aufmerksamkeit des Feindes nach dieser Richtung zu ziehen; dann aber ist unaufgehalten der Vormarsch gegen Breslau zu bewirken. Hiebei darf Buturlin weder einem schwächeren Corps, noch der ganzen in Schlesien versammelten preussischen Armee aus dem Wege gehen. Können solche nicht ange­griffen werden, so muss der Marschall wenigstens derartige Positionen wählen, dass jeder Schritt nach rückwärts vermieden werde. Für den Fall, als sich der König mit seiner ganzen Macht gegen die Russen wenden sollte, ist dem Feldmarschall Buturlin zu versprechen, dass Laudon dem ersteren auf dem Fusse folgen und derart manövriren werde, dass der König entweder zwischen zwei Feuer gerathen oder die Vereinigung der beiden Armeen zugeben müsse. Stellt der König den Russen dagegen nur ein Corps von 20.000 bis 30.000 Mann ent­gegen und sucht er mit seinem Gros die Armee Laudon’s im Gebirge festzuhalten, so soll, nachdem jenes Corps zweifellos unvermögend sein wird, die russische Armee aufzuhalten, letztere oberhalb Breslau, allenfalls auch bei Brieg oder Schurgast an die Oder rücken, hier Brücken schlagen und diese durch Brückenköpfe sichern. Laudon werde dann trachten, wenn nicht mit seiner ganzen Armee, so doch mit 20.000 bis 25.000 Mann an den Übergangspunkt zu gelangen und Buturlin durch die herbeigeführten Verstärkungen zum offensiven Auf­treten gegen den König zu befähigen. Sobald die russische Armee die ') Kriegs-Archiv 1761; Fase. V, ad 69, Acten des Laudon’schen Corps.

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