Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
150 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. Oder überschritten hat, wird sie, der übernommenen Verpflichtung gemäss, aus den österreichischen Magazinen verpflegt werden. Dass Feldmarschall Buturlin aber mit vollem Ernste die Vereinigung mit Laudon zum Ziele seiner nächsten Operation machen werde, schien dem letzteren nach der Erfahrung früherer Feldzüge und trotzdem, dass der Operationsplan von russischer Seite ausgegangen war, nicht ganz sicher '), und mit Rücksicht hierauf heisst es in der Instruction für Caramelli weiter: „Dürfte aber im Gegentheil dem Herrn Feldmarschall Grafen von Buturlin oder der übrigen kaiserlich russischen Generalität der in dem vorhergehenden Punkt erwähnte Vorschlag zur Conjunction nicht thunlich oder allzu gefährlich Vorkommen, so stehet zu versuchen, inwieweit sie gesinnt sind, ein Corps von 20.000 bis 30.000 Mann ihrer Truppen zur Vereinigung mit uns zu detachiren, und auf welche Art sie glauben, dass solches in’s Werk zu setzen wäre. Man muss ihnen vorstellen, dass man unsererseits hiebei sehr viele Schwierigkeiten voraussieht, und dass im ersteren Falle nichts anderes erforderlich sei, als dass sie gegen die etwa anrückende feindliche Macht festen Fuss halten, wo alsdann sich zur Vereinigung viel bessere und bequemere Mittel an die Hand geben dürften.“ „Sollten aber in diesen beiden Fällen keine standhaften und zuverlässigen Entschliessungen von Seite der kaiserlich russischen Generalität und Sr. Excellenz des Herrn Grafen von Buturlin festgestellt werden, oder dieselben mit vielen Schwierigkeiten verbunden sein, alsdann haben der Herr General vielmehr dahin den Antrag zu machen, dass die kaiserlich russische Armee ihre Operationen gegen Frankfurt und Berlin richte, um den König dadurch zu vermögen, dass er wenigstens einen grossen Theil seiner Armee auch dahin ziehe und dadurch Gelegenheit gebe, hier in Schlesien unsere Operationen mit mehr Nachdruck fortsetzen zu können.“ Wahrscheinlich um dem gewohnten Misstrauen der russischen Generale den Boden zu entziehen, sollte Cai’amelli zunächst diese zum Aussprechen ihrer Meinung veranlassen und mit den eigenen Ansichten und Vorschlägen, falls diese überhaupt geltend gemacht werden müssten, so lange als möglich zurückhalten. Zum Schlüsse stellt es der Feldzeugmeister als allgemeine Richtschnur für das Verhalten Caramelli’s hin, dass er bei Ausführung seiner Aufträge „das allerhöchst kaiserlich königliche Interesse vor *) In einem Schreiben an den Grafen Kaunitz vom 20. Mai (Kriegs-Archiv 1701; Fase. V, 73, Acten des Laudon’schen Corps) sagt Laudon mit Bezug hierauf: „Ich muss Euer Excellenz in Unterthänigkeit gestehen, dass ich meines Orts ebenfalls von allem Misstrauen, so ich in die gemeinschaftlichen Unternehmungen mit den Russen nach dem von ihnen vorgeschlagenen Plan setzen könnte, nicht gänzlich befreit bin.“ Das „ebenfalls“ bezieht sich auf Feldmarschall Daun, der an den Ernst der russischen Versprechungen in keiner Weise glauben mochte.